Text-Bild-Ansicht Band 61

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darin, daß die Franzosen sich ihrer Bemühungen und Agenten ungeachtet keine so gute Baumwolle verschaffen können, als die Engländer.

Die Tullfabrication hat in Frankreich große Opfer gebracht; sie hat ungeheure Summen auf Anschaffung und Verbesserungen der Maschinen verwendet; der größte Theil ihres Capitales stekt noch in den Maschinen, und noch sind ihre Vorausgaben nicht gedekt. Wir liefern gegenwärtig für 15 Cent, was ehemals 3 Fr. kostete, und schon ist zu fürchten, daß diese außerordentliche Erniedrigung der Preise dem Verbrauche nachtheilig werde. Will man den Zoll der Feingespinnste, der ohnedieß schon durch den Schmuggelhandel großen Theils umgangen wird, beibehalten, so vernichtet man ein auf Maschinen gelegtes Capital von 10–12 Mill. Fr., und ruinirt einen Industriezweig, der jährlich für 8–10 Mill. gute Fabricate lieferte, und es in Kürze auf 24 Mill. bringen könnte. Hat irgend ein anderer Industriezweig innerhalb so weniger Jahre durch sich allein, ungeachtet ihm der Rohstoff häufig weggenommen worden, und ungeachtet nicht selten seine besten Fabricate für fremde Erzeugnisse gehalten und confiscirt wurden, so große Fortschritte gemacht als der unserige?

Meine Ueberzeugung ist daher: daß die Tullfabrication in Frankreich nicht bestehen kann, ausgenommen man läßt sie ihren Bedarf an Rohstoff frei einführen, und gewährt ihr zugleich noch 5 Jahre lang den Schuz des Verbotes fremder Waare. Nach dieser Zeit wird man das Verbot durch einen Schuzzoll ersezen können, der nicht zu gering, aber auch nicht so hoch seyn dürste, daß er zur Schmuggelei anreizt. Mittlerweile verdopple man die Aufsicht an der Gränze; denn die so häufig erfolgende Wegnahme fremden Tulls in Paris beweist nur die schlechte Aufsicht an her Gränze, in deren unmittelbarer Nachbarschaft man auch keine Tullfabriken dulden soll, indem hiedurch die Schmuggelei begünstigt wird.

7. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Wickham, Tullfabrikanten von Douai.

Douai verarbeitet mit einem Aufwande von jährlich 750,000 Fr. wöchentlich 600 Pfd. gedrehtes Baumwollgarn. Die Fabrication steht noch nicht auf derselben Stufe, wie die englische, welche um 12 Jahre älter ist, und der mithin auch geübtere Arbeiter zu Gebot stehen. Ich bin selbst Engländer und seit 5 Jahren zu Douai etablirt. Innerhalb dieser Zeit sind die Preise so gesunken, daß wir gegenwärtig im Herbste 1834 für 9 Franken verkaufen, wofür wir im Jahre 1829 noch 25 Fr. erzielten. Wir arbeiten gegenwärtig mit Verlust, und die Ursache hievon ist das Sinken der Preise in England und die Schmuggelei. Die Engländer verkaufen gleichfalls mit Verlust, denn sie hatten zu viel erzeugt; sie erleiden aber lieber ihren Verlust in Frankreich, als in England, indem, dann die Waare auf dem inländischen Markte nicht so sehr an Werth verliert, und indem der Credit der Fabrikanten weniger Schaden darunter leidet. Wir in Frankreich arbeiten dermalen nur noch in der Hoffnung die feinen Wollengespinnste freigegeben zu sehen; sollte diese Hoffnung getäuscht werden, so müßten wir zu arbeiten aufhören. Eine Herabsezung des Zolles um die Hälfte nüzt uns nichts; denn die Englinder werden uns auch bei, dieser noch so lange drüken, bis unsere Fabriken unterliegen müssen. Die gänzliche Befreiung der Feingespinnste