Text-Bild-Ansicht Band 61

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von allen Zöllen ist das einzige Mittel unsere Fabrication zu erhalten, die Schmuggelei zu verhüten, und uns in Stand zu sezen, in einigen Jahren bei einem mäßigen Schuzzoll mit England concurriren zu können, obwohl wir auch dann immer noch den in diesem Lande öfters eintretenden Krisen ausgesezt seyn werden. Die Hauptursache für den englischen Fabrikanten ist bei diesen Krisen sich schnell Geld zu verschaffen; und dieß kann er bei Aufhebung des Einfuhrverbotes in wenigen Tagen ohne seinem Credit in der Heimath dabei zu schaden.

Ich verfertige meine Stühle selbst, da ich 10 Jahre in England war, und ganz damit vertraut bin. Ein nach dem besten Systeme gebauter Tullstuhl kommt in Frankreich auf 10,000 Fr.; freilich gibt es aber auch viel kleinere, welche nur 3–6000 Fr. kosten. Meine Stühle werden mit Dampf getrieben; denn ich baute mir in der Hoffnung die Gespinnste freigegeben zu sehen, ein Gebäude für 35 Stühle und eine Dampfmaschine, die sie in Bewegung sezen sollte. Das Eisen beträgt ungefähr den 20sten Theil der Kosten eines Stuhles. Das Brennmaterial kommt mir drei Mal theurer als in England.

Der rohe Tull läßt sich, wenn er aus französischem Garn erzeugt worden, von dem englischen Fabricate allerdings unterscheiden; nahm der französische Fabricant hingegen englisches Garn, so ist keine Unterscheidung möglich. Ich würde daher zur Verhütung und Entdekung von Schmuggelei rathen, daß jeder französische Fabrikant gehalten werde, in ein Mauthregister die Nummern, Breite und Qualität seiner Tullstühle einschreiben zu lassen, indem man dann die Etiquette eines jeden für geschmuggelt gehaltenen Stükes mit diesem Register vergleichen könnte. Auch muß ich bemerken, daß die zur Beurtheilung der von der Mauth ergriffenen Tülle bestimmten Leute nicht hinreichend mit den in Frankreich und England üblichen Details beim Zusammenlegen, Appretiren, Ellen etc. bekannt sind, und daß hieraus mancher Mißgriff erwächst.

§. 3. Fabrication roher und weißer Baumwollgewebe.

1. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Roman von Wesserling.

Elsaß zählt nur wenige große Webereien, indem sich deren Anzahl mit Einschluß der unserigen auf 5–6 beschränkt; dagegen ist dieses Gewerbe auf dem Lande sehr verbreitet, so daß der Landmann die Zeit, während welcher die Feldarbeiten seine Kräfte nicht in Anspruch nehmen, größten Theils am Webstuhle arbeitet. Der Erfahrung gemäß liefert ein Handwebstuhl jährlich 25 Stüke, wozu 100 Kilogr. Baumwolle erforderlich. Im Durchschnitt arbeiten 58–60,000 Stühle, worunter 4000 mechanische. Die Gesammtproduction läßt sich auf 1,800,000 bis 2 Mill. Stüke feiner und gemeiner Calicos, Musseline und mehrfarbiger Gewebe anschlagen, welche das Stük zu 40 Fr. gerechnet, einen Werth von beiläufig 80 Mill. Fr. repräsentiren. In Gebäuden, Maschinen und Apparaten mag ein Capital von 45–50 Mill. Fr. steken, welches jedoch bereits bis auf 30 Mill. Fr. gelöscht seyn dürste. Wir selbst wendeten über 6 Mill. Fr. auf unser Etablissement, welches gegenwärtig nur auf 1,600,000 Fr. geschäzt wird. Direct beschäftigt die Weberei gegen 7000 Individuen jeden Geschlechtes und Alters; die Bleicherei 12–15,000. Bei der Calicoweberei verdient ein Arbeiter täglich bei emsiger Arbeit