Text-Bild-Ansicht Band 61

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60 Cent. bis 1 Fr. 25 Cent.; bei feineren Stoffen 1 Fr. 25 Cent, bis 2 Fr. 50 Cent.; die Arbeiter an den mechanischen Stühlen verdienen in allen Qualitäten etwas mehr. Kinder verdienen 25–50 Cent. des Tages. Ein Bleicher arbeitete sich täglich auf 1 Fr. 40 Cent. bis 1 Fr. 60 Cent. Die Zahl der Arbeitsstunden beläuft sich auf 13. Die Weber arbeiten nach dem Gedinge, und da sie meistens ruhig und ordentlich sind, so machen sie des geringen Lohnes ungeachtet kleine Ersparnisse, welche sie großen Theils in den Sparkassen anlegen. In den meisten Fabriken läßt man die Kinder zur Schule gehen. Die Stühle auf dem Lande gehören theils größeren Unternehmern, theils den Arbeitern selbst.

Was die Maschinen und die Verbesserungen an denselben betrifft, so folgen wir den Engländern hierin auf dem Fuße; allein wenn bei unseren zahlreichen Verbindungen mit England beinahe jede neue Maschine auch schon im ersten Jahre ihres Bekanntwerdens auch zu uns verpflanzt wird, so ist es doch immer vortheilhafter der erste zu seyn. In England wird beinahe Alles mit Maschinen gesponnen, und dahin muß es auch bei uns kommen; wir im Elsaß werden gegenwärtig nur dadurch zurükgehalten, daß wir fürchten, zu viele Hände unbeschäftigt zu lassen. Die wenigen mechanischen Webereien, die wir besizen, und welche wie gesagt beiläufig mit 4000 Stühlen arbeiten, sind in Hinsicht auf Qualität und Wohlfeilheit der Waare im Vortheile, obschon die Arbeiter in ihnen mehr verdienen, als die Handweber.

In Hinsicht auf die Aufhebung des Einfuhrverbotes muß ich beweisen, daß nur das bisher befolgte System im allgemeinen Interesse der Industrie eingeführt worden zu seyn scheint, und daß sich dasselbe durch die großen Fortschritte, die es hervorrief, auch als vollkommen geeignet bewährte. Wir sind aber noch nicht so weit gediehen, daß wir die fremde Concurrenz aushalten könnten, ausgenommen bei einem Schuzzolle, der einem gänzlichen Verbote gleichkommt. Ließe man die fremden Fabrikate auf unseren eigenen Märkten mit den unserigen concurriren, so kann man sicher voraussagen, daß sowohl in Hinsicht auf Beschäftigung unserer Bevölkerung, als in Hinsicht auf unsere socialen Verhältnisse eine höchst nachtheilige Störung eintreten würde. Müßten diese Vortheile durch zu große Opfer von Seite der Consumenten erkauft werden, gewiß ich würde nicht so sehr für das Einfuhrverbot seyn; die Preislisten beweisen aber, daß wir die größten Anstrengungen machten, um die Preise unserer Fabricate immer niedriger stellen zu können. Ein Industriezweig, der für 600 Mill. Fr. im Werthe producirt, darf und kann unmöglich beeinträchtigt werden, ohne daß auch alle übrigen Gewerbe darunter leiden. Man sagt England habe die Einfuhr gegen einen Zoll freigegeben; aber wann that es dieß? Nachdem es unter dem Prohibitivsysteme und lediglich durch dieses im eigenen Hause unangreifbar wurde, und nachdem es also ohne alle eigene Gefahr andere Nationen durch Aufgebung seines Systemes verblenden und zu gleichen Maßregeln verleiten zu müssen glaubte. Da die Engländer in weit größeren Massen fabriciren, als wir, so ist es uns auch schon deßhalb unmöglich mit ihnen zu concurriren. Ich kenne eine Fabrik in England, welche allein die Hälfte so viel in Baumwolle fabricirt, wie ganz Elsaß; unsere größte Fabrik erzeugt gegenwärtig nur 60,000 Stüke; in England gibt es welche, die bis zu einer Million erzeugen, und die es bei ihrer Zunahme selbst auf 1 1/2 Mill. bringen dürften.