Text-Bild-Ansicht Band 61

Bild:
<< vorherige Seite

Wie leicht müßte es unter eintretenden Finanzkrisen diesen großen Fabriken werden, uns zu überschwemmen und zu erbrüten, besonders unsere zahlreichen kleinen Fabriken, die wohl im Auslande eine leichte Concurrenz aushalten können, nicht aber auf dem eigenen Markte. Die Gefahr solcher Krisen wird um so größer, da bei der Baumwollwaarenfabrication die Ankäufe und Verproviantirungen für jede Saison gewöhnlich ein halbes Jahr voraus Statt finden. Gesezt aber, man wollte statt des Verbotes einen Schuzzoll einführen, so würde auch hier ein zu hoher Zoll umgangen werden, während ein zu niedriger nicht genug schüzend wäre. Die englischen Calicos kommen in der Schweiz auf 75 Cent. die Elle; gleiche Waare gilt in Frankreich 85–95 Cent.; die Elle kommt also bei uns um 3–8 Sous theurer, und dieß macht für ein Frauenzimmerkleid einen Unterschied von 75 Cent. bis zu 2 Fr., was wohl kaum ein solches Wagniß werth seyn dürfte.

Der Zoll, wenn man je einen solchen einführen wollte, könnte nach dreierlei Grundlagen bestimmt werden, nämlich nach dem Gewichte, nach der Deklaration des Versenders mit dem Verkaufsrechte, und nach Kategorien. Das Gewicht kann bei der großen Verschiedenheit der Qualität nicht als Maaßstab gelten; und da die Declarationen zu wenig Garantien darbieten, selbst wenn der Mauth das Verkaufsrecht zusteht, so blieben nichts als Kategorien über, und als Schuz für die wohlfeileren Fabricate die Festsezung eines Minimums.

Schließlich bemerke ich noch, daß sich das System der unbeschränkten Handelsfreiheit sehr wohl bei einem commerciellen Congresse sämmtlicher Nationen geltend machen ließe, keineswegs aber einzeln auf Frankreich angewendet und ohne allgemeine Ausgleichung. Wir würden sonst das Beispiel von England befolgen, ohne uns in derselben Lage wie dieses Land zu befinden, und ohne von den übrigen Staaten, namentlich von den dem deutschen Handelsvereine angehörigen eine günstigere Behandlung erwarten zu dürfen.

2. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Nicol. Köchlin von Mülhausen.

Die Baumwollweberei, obschon an und für sich nicht sehr einträglich und lange Zeit nur von einzeln zerstreuten Webern betrieben, verbreitete sich bei der Leichtigkeit des Absazes der Fabricate dennoch sehr rasch. Diese Leichtigkeit war aber auch Ursache, warum dieser Industriezweig während der ersten 40 Jahre seines Bestehens in Frankreich nicht sehr vervollkommnet wurde, bis endlich die Einführung der Maschinenspinnerei den glüklichsten Einfluß auf ihn übte. Eine neue Epoche für die Weberei begann jedoch erst mit der Einführung des mechanischen Schlichtens und Webens, wodurch in England bereits eine vollkommene Umwandlung der Fabrication bewirkt wurde. In Frankreich findet die allgemeine Einführung der mechanischen Webstühle, die sich hauptsächlich zur Erzeugung der Calicos eignen, während feine und Modewaaren besser mit der Hand gewebt werden, übrigens noch immer Hindernisse, welche hauptsächlich im Mangel an großen Capitalien und in dem niedrigen Arbeitslohn gelegen sind.

Von der Fabrication im Elsaß als Basis ausgegangen ergibt sich, daß zum Verweben der 34 Mill. Kilogr. Baumwollgespinnst, welche jährlich in Frankreich erzeugt werden, 270,000 Webestühle erforderlich