Text-Bild-Ansicht Band 61

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Dr. Valat's Tragbett für Verunglükte in Bergwerken.

Ungeachtet der in den Bergwerken so häufig vorkommenden Unglüksfälle hat man gegenwärtig beinahe noch gar keine Vorrichtungen, womit man die Verunglükten leicht und ohne Vermehrung ihrer Schmerzen und Vergrößerung ihrer Beschädigungen aus den Gruben herauf schaffen könnte, um ihnen die nöthige Hülfe zu leisten. In den Steinkohlengruben zu Littry im Departement der Calvados bediente man sich eines auf Rädern ruhenden Lehnstuhles, dessen Rückenlehne so gesenkt werden konnte, daß der Verwundete wie auf einem Bette lag. Man befestigte ihn mit Gurten, die unter einem der Arme, um die Brust, die Schenkel etc. liefen, je nachdem es die Verwundungen gestatteten. Am Schachte angelangt richtete man den Lehnstuhl auf, damit man ihn empor ziehen konnte; der Steiger und der Chirurg befanden sich dabei vor dem Verwundeten auf einer am Fuße des Wagens befestigten Platte, um den Apparat beim Emporsteigen dirigiren und dem Verwundeten die nöthige Hülfe leisten zu können. – In neuerer Zeit nun hat Hr. Dr. Valat an den Steinkohlenwerken in Blanzy eine noch zwekmäßigere Vorrichtung erfunden, über den Hr. General-Berginspector Cordier der Akademie, und Hr. Héricart de Thury der Société d'encouragement einen sehr günstigen Bericht erstattete, und den man auch in dem Bulletin dieser Gesellschaft, Aprilheft 1836, ausführlich beschrieben und auf einer Foliotafel in allen Details abgebildet findet. Wir begnügen uns damit, deren Einrichtung durch folgende, kurze Mittheilung möglichst anschaulich zu machen. Sie besteht nämlich aus einer Art von Truche von solcher Länge, daß ein Erwachsener ausgestrekt darin liegen kann. Diese Truche, deren Seiten aus einander gelegt werden können, ist innen überall mit Matrazenkissen ausgefüttert, und auch mit Riemen versehen, die zur Befestigung der verwundeten dienen. An den beiden Enden der Truche sind Arme zum Tragen angebracht, die sich jedoch abbiegen und an die Seiten der Truche anlegen lassen. Eben so sind auch Füße vorhanden, welche aufgestellt oder abgebogen werden können. Hat man die Truche bis zum Auffahrtschacht gebracht, so wird sie aufgestellt, und mit einem an ihrem oberen Ende befindlichen Haken an das Aufziehseil gehängt. Der Bergmann, der den Apparat beim Aufziehen zu dirigiren hat, steigt auf eine über der Truche angebrachte Platte.

Ueber das perlenmutterartige Concrement,

dessen in unserem Journale Bd. LX. S. 473 Erwähnung geschah, erstatteten die HH. L. Horner Esq. und Sir D. Brewster der Royal Society in London im Februar l. J. einen Bericht, aus welchem wir zur Erläuterung dieser interessanten Bildung Folgendes nachtragen. Die Incrustation erzeugte sich an den Oberflächen eines Platschrades, dessen man sich in der Bleicherei der HH. Finley und Comp. in Catrine in Ayrshire bediente; sie ist compact, braun, von starkem Glanze und an mehreren Stellen schön irisirend; auf dem Bruche zeigt sie sich blätterig; ihre Analyse ergab kohlensauren Kalk und eine thierische Substanz; also dieselben Bestandtheile, die in der höchst ähnlichen Perlmuttermasse enthalten sind. Die Gegenwart des Kalkes erklärt sich leicht daraus, daß die Zeuge, die in das Rad kommen um ausgewaschen zu werden, vorher mit Kalkwasser behandelt und gekocht wurden. Die Gegenwart der thierischen Substanz hingegen läßt sich nur dadurch erklären, daß zur Schlichte der Kette der Baumwollgewebe etwas Leim beigesezt werden. Die Aehnlichkeit dieser Substanz mit der Perlmutter erstreckt sich selbst auf ihre optischen Eigenschaften; denn nach Brewster besteht sie aus Blättchen, welche zuweilen durch leere Zwischenräume geschieden sind, gewöhnlich aber inniger als die Gyps- und Glimmerblättchen, und leichter als die Kalkblättchen zusammenhängen. Die Blättchen besizen eine doppelte Strahlenbrechung, und wie beim Achat und der Perlmutter ist auch hier das eine Bild vollkommen deutlich, während das andere nebelig erscheint, sie haben wie der Kalkspath eine Achse der Strahlenbrechung und diese ist negativ. Da die Perlmutter gleich dem Arragonite zwei Achsen hat, so dürfte sich die neue Substanz in optischer Beziehung eben so zur Perlmutter verhalten, wie der Kalkspath zum Arragonite. In Bezug auf Krystallisation gehört die neue Substanz dem Rhomboedersystem an. Aus einer Beobachtung der Erscheinungen des Irisirens derselben schließt Hr. Brewster, daß die irisirenden Blättchen während des Stillstandes des Rades bei Nacht gebildet wurden, und in ihrer Natur von dem übrigen Theile der Substanz abweichen