Text-Bild-Ansicht Band 39

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Mittheilung, die ein Irländer, welcher Wein für England zurichtete,50) ihm als Geheimniß anvertraute. Dieser Irländer versicherte ihm, daß, wenn man Asche und Kochsalz während des Destillirens in die zu destillirende Flüssigkeit wirft, man weit mehr und weit besser schmekenden Brantwein erhält. Hr. de Araujo Travassos suchte sich diese Thatsache Anfangs durch den Umstand zu erklären, daß die in der Asche enthaltene Potasche die Säuren im Weine sättigt; später aber schien es ihm, daß dieß wohl von der erhöhten Temperatur der Flüssigkeit herrühren könnte. Wenn diese Ansicht die Oberhand gewinnen sollte, so müßte man gestehen, daß die Destillirgefäße der Alten nicht gar so widersinnig waren, als man sie ausgab, und daß also Adam, Berard und Chaptal selbst sich denselben mit Recht wieder näherten.

Der Verdichter, der den Gegenstand des dritten Kapitels bildet, hat eine große Aehnlichkeit mit den neuesten französischen Verdichtern. Eine Röhre, die nur den vierten Theil des Durchmessers des Kessels hat, die aber 20 bis 30 Mal länger ist, wird an den oberen Theil des Kessels angesezt, der gleichfalls mit schlechten Leitern umgeben ist. Er ist beinahe horizontal, und innenwendig durch senkrechte Scheidewände abgetheilt, die in der Mitte und etwas über derselben offen sind, damit der Dampf in die Zwischenräume eindringen kann, nicht aber die dahin geleitete Flüssigkeit. So wie die Flüssigkeit sich erhizt, verdichtet sich der entwikelte Alkoholdampf in dem nächsten Zwischenraume, und so fort. Der Rükstand wird durch eine Röhre abgeleitet, die mit einem Hahne versehen ist, und gelangt so in abgesonderte Recipienten, oder in den Kessel. Eine einzige Destillation gibt in dem lezten Zwischenräume hoch rectificirten Alkohol, und in den übrigen Zwischenräumen mehr oder minder geistige Flüssigkeiten nach der verschiedenen Temperatur des Bades, das man nach Belieben reguliren kann. Dieses Bad, in welches man den Verdichter eintaucht, kann Wasser, oder noch besser, Wein seyn, der in der Folge zur Destillation verwendet wird. Er vergleicht diesen Apparat mit Berard's Verdichter, und findet denselben in der Hinsicht besser, daß, in jenem Berard's, die Alkoholdämpfe, welche in dem Kessel gebildet werden, in ein Bad übergehen, dessen Temperatur beständig auf 70 bis 80° bleibt; (ein Umstand, welcher durchaus nicht die Abscheidung der Alkoholdämpfe von den wässerigen begünstigt) und erst aus diesem in eine Röhre gelangen,

50)

Die Weine, die man in England die Flasche zu Preisen trinkt, wofür man in Ungern ein ganzes Faß des edelsten reinen Weines haben hann, sind alle verfälscht, zugerichtet mit Brantwein und Gewürzen. Man kann sagen, daß der reiche Engländer nicht weiß, was Wein ist; das weiß der Pole und Russe besser, der bloß ungrische und französische Weine kauft, aber keine portugiesischen. A. d. Ue.