Text-Bild-Ansicht Band 39

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in einer Metallcomposition für die Zapfenlöcher der Taschenuhren, welche weniger Reibung erzeugt, und den Säuren besser widersteht, als alle Edelsteine, zugleich aber auch um zwanzig Mal wohlfeiler ist. Hr. Bennet hat diese kostbare Entdekung nicht in seinem Pulte begraben, sondern seinem Bruder und dem Publikum mitgetheilt. In einer kleinen Broschüre, die wir vor uns liegen haben,56) hat er mit der größten Deutlichkeit die Art erklärt, wie er seine Composition verfertigt, und die Hauptversuche angegeben, durch welche er zu seiner Entdekung geleitet wurde.

Ehe wir diese Erklärung hier mittheilen, wollen wir als Einleitung die Nachricht liefern, welche Hr. Bennet von dem Zustande der Uhrmacherkunst gibt, als er sich mit seiner Erfindung beschäftigte.

Bei den ersten Taschenuhren waren die Löcher aus Messing, und die Platten waren polirt. Man fand, daß die Plätten durch die Einwirkung der Luft ihre Politur verloren, so daß dann eine solche Taschenuhr ein sehr schlechtes Aussehen bekam. Das Oehl in den Löchern bekam eine Neigung unrein zu werden, indem die Säuren auf das Messing wirken.57) Man nahm nun seine Zuflucht zum Vergolden, wo man jedoch die Nachtheile hatte, daß die Platten, und folglich auch die Löcher, dadurch weicher wurden, und die Salpetersäure und das Queksilber etc., dessen man sich bei dem Vergolden bediente, einen sehr nachtheiligen Einfluß auf die Zapfen und auf das Oehl äußerten. Nun wurden Rubin- und Granatlöcher statt der Messinglöcher gebraucht, und viele, sehr viele, betrachteten diese Rubinlöcher als das Non plus ultra der Uhrmacherkunst: eine Uhr galt desto mehr, je mehr sogenannte juwelierte Löcher sie hatte. Es hat aber die Erfahrung gelehrt, daß, wenn ein Zapfen aus gehärtetem Stahle in einem Loche aus Rubin oder Granat arbeitet, die Reibung durch eine Menge Zufälligkeiten vielmehr vermehrt als vermindert werden kann. Wenn es in jedem Falle möglich wäre, die beiden Oberflächen des stählernen Zapfens sowohl, als des Rubinloches vollkommen eben zu haben, so wäre die Reibung allerdings eine Kleinigkeit: allein diese beiden Bedingungen sind öfters sehr schwer, selbst bei der besten Juwelierung zu erhalten. Wenn nur der möglich denkbar kleinste Theil eines Rubinloches unpolirt geblieben ist, so ist die Wirkung dieses unpolirten Theiles auf den Zapfen genau dieselbe, wie die eines gemeinen Schleifsteines auf einen Meißel oder auf ein Messer: es würden also zwei rauhe Flächen sich aufeinander reiben,

56)

Es ist in der That eben so unartig gegen Hrn. Bennet als gegen das Publikum, ein Buch zur Hälfte auszuschreiben, und nicht einmal den Titel desselben dankbarlich öffentlich anzuführen. So verfuhren ehevor und auch heute zu Tage die Jesuiten mit den Werken derer, die sie verfolgen: ne nominentur in nostris. A. d. Ue.

57)

Cumming's Elem. of Clock and Watch Work. A. d. O.