Text-Bild-Ansicht Band 39

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Wie oft die größten und klügsten Männer durch über große Klugheit sich und andere täuschen und dadurch das Gute unterdrüken können, statt es zu fördern. – Eine Anekdote aus der Geschichte der Dampfmaschine.

Smeaton war bekanntlich zu seiner Zeit einer der größten Physiker und Mechaniker Englands und Europens, und zugleich ein herzensguter Mann. Niemand unternahm in England etwas im Gebiete der Physik und Mechanik, ohne Smeaton um Rath zu fragen, den dieser wakere Mann auch nach seinem besten Wissen und Gewissen jedermann ertheilte. So erholte auch der unsterbliche Watt, der Schöpfer der heutigen Dampfmaschine, sich bei Smeaton Rathes, als er im Jahr 1769 sich ein Patent auf seine Dampfmaschine ertheilen ließ. Smeaton, der Hrn. Watt als einen sehr geschikten Mechaniker ehrte, schrieb ihm unumwunden: „er halte es für höchst unklug von Hrn. Watt, daß dieser seine bisherigen Geschäfte über seine neue Erfindung so sehr vernachlässige, welche er allerdings für eine Entdekung in der Physik halte, bei deren Ausführung und allgemeinen Anwendung auf Künste und Gewerbe als Triebkraft aber er so viele Schwierigkeiten voraussehe, daß Hr. Watt dieselben nimmermehr besiegen und darüber zu Grunde gehen wird.“ Hr. Farey besizt die Correspondenz Smeaton's und Watt's, und erwähnt dieser Aeußerung Smeaton's in seinen Aussagen vor dem Parliamente. (Vergl. London Journal. October 1830. S. 32.) Der gute Watt ward dadurch so sehr entmuthigt, daß seine Gesundheit bereits sehr zu wanken anfing, und er und seine für die Menschheit so wichtig gewordene Dampfmaschine zu Grabe gegangen seyn würde, wenn das Schiksal nicht Boulton's hülfreiche Hand herbeigeführt hätte, der übrigens in Kenntnissen tief unter Smeaton stand.

Ueber den Purpur des Cassius.

Wir haben im pol. Journ. Bd. XXXVIII. S. 296. eine Abhandlung des Hrn. Buisson über den Goldpurpur mitgetheilt. Hr. Robiquet hatte einige Einwendungen gegen die von Hrn. Buisson aufgestellte Ansicht über die Zusammensezung des Goldpurpurs gemacht, was lezteren zu einer Vertheidigung im Journal de Pharmacie, Dec. 1830. S. 755. veranlaßte Hr. Buisson sagt, daß das Gold im Purpur des Cassius in metallischem Zustande und in einem besonderen Zustande von Zertheilung vorhanden sey, der ihm seinen gewöhnlichen Glanz benimmt und ihm die Purpurfarbe ertheilt. Darüber wird sich Niemand wundern, welcher den merkwürdigen Versuch von Benedict Prevost kennt, der zeigte, daß die gelbe Farbe des reinen Goldes vierzehn bis funfzehn Mal wiederholt, ein sehr dunkles Orangeroth gibt. Hieraus kann man folgern, daß in diesem eigenthümlichen Zustande von Zertheilung die zahlreichen Goldlamellen, welche gelb seyn würden, isolirt dunkelroth oder purpurroth erscheinen müssen, indem sich ihre Farbe oft wiederholt. Hr. Buisson behandelte ferner troknen und gepulverten Goldpurpur bei 100 bis 150° C. mit Queksilber; er entfärbte sich fast augenbliklich, indem sich das Gold im Queksilber auflöste und das Zinnoxyd unaufgelöst zurükblieb. Er bemerkt endlich sehr richtig, daß man nicht wohl begreifen kann, wie der Purpur des Cassius Goldoxyd enthalten sollte, da man solchen Purpur erhält, wenn man Chlorgold oder Schwefelgold auf Porcellanscherben ausbreitet und sie bloß calcinirt; das Goldoxyd ist bekanntlich durch bloßes Erhizen sehr leicht reducirbar, wie sollte es bei einer hohen Temperatur sich bilden und bestehen können? Wenn man frisch gefällten Goldpurpur mit Salzsäure kocht, so löst sich das Zinnoxyd auf und das Gold bleibt entweder im metallischen Zustande oder als ein blaues Pulver zurük. Hr. Buisson fand, daß man bei Anstellung dieses Versuches kein Gold in der sauren Auflösung findet, und daß auch kein Chlor entbunden wird, was offenbar geschehen müßte, wenn Goldoxyd in dem Purpur enthalten gewesen und reducirt worden wäre.