Text-Bild-Ansicht Band 31

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die nöthige Vollkommenheit zu beeinträchtigen. Man fängt damit an, die Häute, um sie zu spülen, einen ganzen Tag lang in fließendes Wasser zu hängen. Ein dreimaliges Bearbeiten auf dem Schabebaum ist alsdann hinreichend, um sie vollkommen zu reinigen. Das erste nennt man die Abfleischung (écharnage), weil es zum Zwek hat, die kleinen Fleischtheilchen wegzunehmen, welche der Haut noch anhängen könnten. Diese Verrichtung ist sehr mühsam und erfordert eine große Geschiklichkeit, wenn die Fleischtheilchen recht rein weggenommen und dennoch die Haut nicht angegriffen werden soll. Zu dieser Zeit bearbeitet man sie auch auf ihrem Umfange, um alle Unregelmäßigkeiten davon zu entfernen.

Das zweite Ausstreichen nimmt man auf der Narbenseite mittelst des Puzsteines (querce)144) vor, um durch den schwachen Druk, welchen man ausübt, die geringe Menge Kalk, welche darauf liegen bleiben könnte, herauszutreiben; durch diese Manipulation macht man zugleich die Narbenseite geschmeidig. Endlich bringt man sie, um sie gut zu entwässern, nochmals auf den Schabebaum und drükt sie mit dem runden nicht schneidenden Messer stark zusammen, um sie besser für das Kothbad (Kothbeize) vorzubereiten.

Ehemals pflegte man die Häute zwischen jeder Behandlung auf dem Schabebaum, und diese waren damals sehr zahlreich, in Kübeln mittelst hölzerner Stampfer zu walken. Jezt begnügt man sich, die Häute zwischen jedem Ausstreichen ungefähr eine Viertelstunde lang in einer Tonne zu stoßen, welche senkrecht auf zwei Zapfen läuft und in ihrem Inneren mit einer großen Menge von Bolzen versehen ist, welche an ihrem Ende zugerundet sind. Man bringt die Häute in diese Tonne, sezt eine der Anzahl der Häute angemessene Menge Wasser zu und dreht dann die Tonne schnell mittelst einer an einem Getriebe angebrachten Kurbel um.

Wir haben von den Nachtheilen gesprochen, welche der Kalk verursachen kann, wenn man ihn zu lange einwirken läßt oder sein Verhältniß zu beträchtlich ist, und wir wollen hier nur noch beifügen, daß es ohne Zweifel nur, um diesem zum Theil abzuhelfen geschieht, wenn mehrere Fabrikanten die Menge des Kalks verringern und sie durch eine entsprechende Menge Holzasche oder gewöhnliche Potasche ersezen, welche wahrscheinlich dieselben Vortheile gewähren, ohne dieselben Nachtheile zu verursachen. Was diese Ansicht zu unterstüzen scheint, ist, daß einige

144)

Der Puzstein (querce) ist ein langer flacher Stein, von seinem und dichtem Gefüge, eine Art harter Schiefer, welcher ungefähr zur Hälfte seiner Breite mit einem Querholz eingefaßt ist, dessen Enden 8 bis 10 Zoll auf jeder Seite darüber hinaus reichen und zugerundet sind, so daß sie als Griff dienen. Diese Art von Platte oder steinernem Messer hat eine, zugerundete Schneide.

A. d. O.