Text-Bild-Ansicht Band 31

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Personen zu demselben Zwek die Anwendung des gefaulten Urins empfehlen, den sie als dieser Art von Arbeit unendlich günstiger betrachten, wahrscheinlich wegen des Ammoniaks, welches er entwikelt. Hieraus möchte also hervorzugehen scheinen, daß die auflöslichsten und vielleicht die am wenigsten energischen Alkalien gerade deßwegen den Vorzug verdienen müssen, weil von ihrer Einwirkung, nachdem sie das Enthaaren bewirkt haben, keine Spur mehr zurükbleibt und man sie leicht durch das geringste Auswaschen beseitigen kann; während der Kalk, welcher an und für sich sehr wenig auflöslich ist und in dem Zustande von Vertheilung, worin man ihn anwendet, in die Poren eindringen, sich darin fest sezen, sich vielleicht mit der organischen Substanz verbinden kann – ihr neue Eigenschaften ertheilt. Gewiß ist, daß wenn man nicht alle möglichen Vorsichtsmaßregeln ergreift, um sogar die lezten Antheile von Kalk zu beseitigen, nicht nur die Haut hart bleibt, sondern die Gegenwart dieser alkalischen Erde gewisser Maßen auch den anzuwendenden Färbestoffen als Beize dient und ihre Nüancen so sehr verändert, daß sie ganz anders ausfallen, als sie ohne dessen Gegenwart seyn würden.

Aus dem Vorhergehenden ersieht man also, wie wichtig es ist, daß der Kalk den Häuten ganz entzogen wird, und deßwegen sind ohne Zweifel so viele Operationen vor dem Färben nöthig, denn sonst würde man nicht einsehen, wozu das Kothbad nüzen soll, mit welcher Operation wir uns jezt beschäftigen wollen.

In der von Lalande bekannt gemachten Beschreibung findet man, daß dieses dritte Bad, welchem man den Namen Kothbad gibt, nichts als in Wasser zur Consistenz eines klaren Breies aufgeweichter Hundekoth ist, und daß 25 bis 30 Pfund von diesem Koth auf acht Duzende von Häuten angewandt worden. Jener Schriftsteller behauptet, daß dieses Kothbad ihnen ihre Steifigkeit benimmt und sie zur Erschlaffung, zum Aufschwellen und zur Gährung geneigt macht; daß ferner diese Excremente die Häute durch die alkalischen Theile, welche sie enthalten, reinigen, indem leztere die Entfernung des Fettes, welches sie noch zurükhalten, und welches sie verhindern würde, die Farbe anzunehmen, erleichtern. Wir wissen nicht, wie weit diese verschiedenen Behauptungen gegründet sind; doch müssen wir sagen, daß es nicht sehr wahrscheinlich ist, daß die Häute nach der Operation des Enthaarens noch eine bemerkenswerthe Menge Fett zurükhalten können, denn der Kalk und das Kali, welche man in den Aeschern anwendet, müssen es nothwendig in eine auflösliche oder unauflösliche Seife verwandelt haben. Unserer Meinung nach muß man vielmehr annehmen, daß der wahre Nuzen dieses Bades in einer Art sauren Gährung liegt, welche der Fäulniß vorangeht. Was dieses wahrscheinlich machen könnte, ist, daß gegenwärtig die meisten Saffianfabrikanten den Gebrauch dieser