Text-Bild-Ansicht Band 31

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Bürgschaft geben können, so werden wir doch die Sache so gut auseinanderzusezen suchen, daß jeder eitlen sichern Leitfaden hat und mittelst einiger Versuche dasjenige, was bei unserer Beschreibung allenfalls noch fehlen sollte, selbst auffinden kann.

Die meisten Farbstoffe befestigen sich bekanntlich auf den verschiedenen zu färbenden Oberflächen nur durch Dazwischenkunft besonderer Körper, welchen man den Namen Beizen gegeben hat, und diese Beizen sind nach dem Färbestoffe, nach der Natur der zu färbenden Substanz und auch nach der Nüance, welche man hervorbringen will, verschieden. Auch weiß man, daß die thierischen Substanzen sich im Allgemeinen leichter mit den Farbestoffen verbinden, als die vegetabilischen Gewebe. Wir wollen nun angeben, wie man die Ziegenhäute sowohl mit Kermesbeeren (Scharlachbeeren) als auch mit Stoklak und endlich auch mit Cochenille rothfärben kann. Man hat sogar ganz neuerlich versichert, daß man auch mit Krapp schönen rothen Saffian darstellen kann; aber ich weiß in dieser Beziehung nichts gewisses. Was den Kermes betrifft, so weiß Jedermann, daß man damit alle rothen Nüancen wie mit Cochenille hervorbringen kann; daß sie vielleicht wirklich weniger Glanz, aber gewiß viel mehr Solidität haben, und vor der Entdekung der Cochenille hatte man auch einzig und allein den Kermes zu diesem Zweke angewandt. Wenn man außerdem bedenkt, daß die Bewohner der Levante, welche uns die Saffianbereitung lehrten, jezt noch die Kappen, welche ihnen zur Kopfbedekung dienen, mit Kermes zu färben pflegen, so wird es sehr wahrscheinlich, daß sie den Kermes auch für den Saffian anwandten. So viel ist indessen gewiß, daß man ihn jezt allenthalben durch die Cochenille ersezt hat, welche in der That wegen des glänzenden Colorits, welches sie hervorbringt, wenn sie gehörig gebeizt worden ist, den Vorzug verdient.

Einige ältere Schriftsteller, und besonders Geoffroy, haben behauptet, daß die rothe Farbe des Saffians mit Körnerlak (Samenlak) hervorgebracht wird; wir wissen nicht, woher sie diese Nachricht erhielten und wie viel Zutrauen sie verdient; aber wir zweifeln keinesweges, daß die Sache möglich ist, und bleiben überzeugt, daß man früher oder später die Cochenille zu diesem Zwek, wie zu den meisten anderen, durch Lak-dye ersezen wird, und wenn es bisher noch nicht gelang, so ist wahrscheinlich Mangel an Versuchen schuld daran; wenn aber aus irgend einer Ursache die Cochenille selten oder theuer würde, so würde man sich die Mühe nehmen, Versuche anzustellen und die Sache würde gelingen. In Erwartung dieser neuen Verbesserung wollen wir auf die gewöhnliche Methode zurükgehen und dasjenige darüber sagen, was wir davon wissen.

Vorausgesezt also, daß die zum Rothfärben bestimmten Häute