Text-Bild-Ansicht Band 31

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man die Häute in ein mehr oder weniger gesättigtes Cochenillebad bringt, je nach der Nüance, welche man erhalten will.

Das Grün erhält man gewöhnlich dadurch, daß man die Häute zuerst durch ein mehr oder weniger schwaches Bad von Sächsischblau hindurch nimmt und dann eine Schichte Gelb darauf gibt, indem man die blau gefärbten Häute in einem Absud von zerhakten Berberizenwurzeln einweicht, welche man mit ein wenig Alaun versezt, der ihm zur Beize dient. Denselben Absud wendet man auch zur Darstellung des gewöhnlichen Gelb an und man sieht wohl ein, daß man mit den angeführten Farben und einigen besonderen Beizmitteln viele andere zusammensezen kann, welche durch ihre Vereinigung in verschiedenen Verhältnissen entstehen. Um zum Beispiel die Olivenfarben hervorzubringen, nimmt man die Häute zuerst durch eine sehr verdünnte Auflösung von grünem Vitriol (schwefelsaurem Eisen) und dann durch einen Absud von Berberizenwurzeln, welchen man je nach der gewünschten Intensität mit mehr oder weniger Indigauflösung versezt hat.

Um die Nüancen Solitaire, La Vallière und andere zu erhalten, beizt man auch mit grünem Vitriol und nimmt von da die Häute durch ein Bad für Gelb, wodurch man je nach dem gegenseitigen Verhältnisse des Beizmittels zum Färbestoffe mehr oder weniger dunkle Nüancen erhält.

Die flohbraune Farbe erhält man mit einem Absud von Kampeschenholz; man muß davon zwei Schichten geben; das erste Bad muß man jedoch mit etwas Alaun versezen, aber das zweite wird ohne Alaun gegeben.

Wenn man zum zweiten Bade an Statt des Kampeschenholzes Fernambuk anwendet, erzeugt man die Korinthenfarbe. Man kann alle grauen Nüancen mit Schwarz, Indigblau und Cochenilleroth darstellen, wenn man Alles in zwekmäßigen, jedoch immer sehr schwachen Verhältnissen anwendet.

Die Häute mögen aber wie immer gefärbt worden seyn, so muß man sie sogleich nach dem Färben ausdrüken, oder was noch besser ist, auf einer Tafel vermittelst eines Streichmessers entwässern, worauf man der Narbenseite mit einem Schwamme eine schwache Schichte Leinöl gibt, damit sie beim Appretiren leichter geglättet werden können und durch ein zu schnelles Troknen nicht erhärten; hierauf läßt man sie troknen.

Die lezte Arbeit, welche man mit den Häuten vornimmt, ist das Appretiren. Diese Operation wird je nach der Anwendung, wozu die Häute bestimmt sind, auf verschiedene Weise ausgeführt. Für Brieftaschen und Futteralmacherarbeit dehnt man sie auf der Fleischseite so gut als möglich aus, befeuchtet sie ein wenig und breitet sie dann auf