Text-Bild-Ansicht Band 78

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Bleichen.

Für das Bleichen sind in Großbritannien viele Patente genommen, womit viele Wichtigkeit gemacht wird, aber bei den meisten wenig reeller Vortheil damit verbunden seyn soll. In Manchester selbst sind die Bleichereien meist von den Fabriken entfernt, weil es kaum möglich ist, in dieser steinkohlendiken Luft ein Stük Waare blendend weiß zu erhalten. Sehr viele Fabriken bleichen auch nicht selbst. Die Laugenkessel sind gewöhnlich von Gußeisen, und meist so groß, daß sie gegen 800 Stüke fassen können; Chlor- und Säurekufen von Sandstein, in den Boden eingesezt. Ueberall wird mit Chlorkalk gebleicht. Gesengt wird im Allgemeinen über einen glühenden Bogen (Cylinder) von Eisen, der dik genug ist, um, wenn er glüht, von der darüber gezogenen Waare nicht geschwärzt zu werden. Es wird meist jeden Tag ein anderer aufgesezt, und der alte wieder frisch gehämmert. Die Waare wird sehr langsam darüber gezogen, und nur auf der rechten Seite einmal gesengt. Collier's Schermaschine (Tondeuse) ist in England nicht vorhanden, wohl aber eine derselben bei John Black und Comp. in Schottland. Die Reinigung geschieht überall in Waschrädern. Sehr sinnreich ist in Walter Crum's Fabrik in Thornliebank bei Glasgow eine durch die Dampfmaschine in Gang gesezte, und wirklich ziemlich richtig gehende Uhr angebracht. Bei jedem Waschrade ist gleichfalls ein kleines Zifferblatt mit darauf beweglichem Zeiger. Sind die Stüke in das Waschrad gebracht, so sieht der Arbeiter auf die Centraluhr, und stellt seinen Zeiger auf diejenige Minute, in der er, wenn sie auf der Uhr angezeigt wird, seine Stüke wieder herausnehmen muß. In einigen Fabriken trifft man die Vorrichtung, daß die Waschräder zugleich kleine Wasserräder bilden, die theils sich selbst, theils noch andere Kleinigkeiten treiben.

Von ganz besonderer Wichtigkeit ist ein neuer, in Manchester construirter Bleichapparat, für das Bleichen baumwollener und leinener Stoffe, welchen der Erfinder mit einem Dampfkessel von hoher Pression, jedoch ohne Chlor und Säurekufen, mit Ueberlassung der Patente für Oesterreich, Preußen und Bayern ab Manchester für den Preis von 1500 Pfd. Sterling zu liefern geneigt ist.20)

20)

Ein Fabrikant, welcher sich diesen kostspieligen Bleichapparat vom Erfinder selbst verschaffte, versichert uns, daß er nicht nur vollkommen mit der im polyt. Journal (1839) Bd. LXXIV. S. 359 gelieferten Beschreibung und Abbildung übereinstimmt, sondern daß es sich auch herausstellte, daß man bei der Anwendung desselben die sonst erforderlichen Hülfsapparate, als Waschräder, Trokencylinder, Chlor- und Säurekufen keineswegs entbehren kann, indem dieser sogenannte Bleichapparat lediglich als ein Laugapparat mit Hochdrukdampf zu betrachten ist, wie es a. a. O. schon bemerkt wurde; endlich hat sich der Erfinder desselben, Hr. Wright in Manchester, zu seinem großen Schaden auch bald überzeugt, daß sein Apparat zum raschen Bleichen von Flachsgarn und Leinengeweben keineswegs anwendbar ist. A. d. R.