Text-Bild-Ansicht Band 78

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ist jedoch der Streichknabe selbst, der sich und sein Sieb am Tische mit den Händen sehr leicht weiter schieben kann. In den Drukstuben für den Handdruk sieht man in England gegenwärtig fast keinen Vordruk, sondern meist nur Dampfgrün und Applicationsroth arbeiten. Viele Sachen, die wir auf dem Continente bis jezt für Handdruk gehalten haben, sind Maschinendruk; dahin gehören auch die Catechuböden mit Roth und anderen Farben, von ausgezeichneter Schönheit, wozu natürlich die Reinheit des Druks wesentlich beiträgt, und Waare erzeugt wird, die man bei uns mit dem Model vergeblich zu Stande zu bringen sucht. Durch diese Beschränkung des Handdruks wird auch die Formstecherei sehr beschränkt. Man trifft in Fabriken, die Hunderttausende von Stüken jährlich erzeugen, höchstens 10 bis 12 Formstecher, und dieses sind meist nur junge Leute.

Walzendruk. In keinem Lande der Welt trifft man diese Art zu druken so vereinfacht und schnell fördernd an, als in Großbritannien. Die Räume für denselben sind nichts weniger als hell und splendid ausgestattet, indem die Maschinen stets bloß von der Seite Licht zugeführt erhalten, wo die gedrukte Waare herauskommt; auf der entgegengesezten Seite brennt hingegen den ganzen Tag über eine Oehl- oder Gaslampe. Die Maschinen selbst sind viel einfacher, als die der Franzosen, und daher leichter zu regieren.

Einfache Walzendrukmaschinen sind sehr selten mehr im Gange. Das meiste Einfache wird auf mehrfarbigen Maschinen gedrukt. Für die Bedienung einer zwei- bis dreifarbigen Walzendrukmaschine hat man nur zwei Männer, die sie in Gang bringen, und nur einige Knaben besorgen für alle zugleich das Puzen, Farbeholen, Durchdrüken derselben u.s.w. Durch das sorgfältigste Aufdoken der Waare wird fernere Mühe beim Druken selbst erspart. Niemand denkt beim Druken an das Breithalten der Waare. Beim Aufdoken lauft das Stük gewöhnlich über eine sogenannte Ausbreitwalze.21)

Diese Walze ist bei vielen Mangen- und Stärkemaschinen ebenfalls angebracht.

Beim Walzendruk selbst ist das Stük durch 5 bis 6 eiserne Stäbe sehr streng angespannt, und läuft gewöhnlich, ehe es an die Drukwalze kommt, noch über eine dike, 8 bis 10 Zoll im Durchmesser haltende hölzerne Walze, die durch das Tuch gedreht wird. Mitlaufende Stüke (Läufer) werden nirgends mehr angetroffen.

21)

Dieser selbstthätige Strekapparat, welcher im Wesentlichen ganz mit dem im ersten Septemberheft des polytechnischen Journals (Bd. LXXVII. S. 327) beschriebenen übereinstimmt, bildet ohne Zweifel die wichtigste Verbesserung, welche seit langer Zeit an den Walzendrukmaschinen gemacht wurde.

A. d. R.