Text-Bild-Ansicht Band 78

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Nur eine der verschiedenen Operationen ist in theoretischer Hinsicht noch unaufgeklärt, nämlich die Reaction des Queksilberdampfes; warum verdichtet sich der Queksilberdampf in Form weißer Kügelchen auf denjenigen Stellen der Jodsilberschichte, welche dem Einfluß des Lichts ausgesezt waren, und zwar in einer der Menge des auffallenden Lichts genau proportionalen Quantität?

Es gibt mehrere analoge Thatsachen, welche hiebei berüksichtigt zu werden verdienen:

1) Wenn man mit einem Stük Spekstein oder Agalmatolit auf Glas schreibt, so sind zwar die verzeichneten Buchstaben unsichtbar; wenn man aber auch die Oberfläche des Glases nachher gut reinigt, so kommen sie doch zum Vorschein, sobald man das Glas anhaucht.

2) Wenn man auf ein Stük sehr klaren und kalten Glases oder noch besser auf eine kalte polirte Metalltafel einen kleinen Gegenstand, etwa ein Metallstük legt und die Oberfläche einmal überhaucht, den Gegenstand hierauf sorgfältig beseitigt, so sieht man, so oft man wieder auf die Oberfläche haucht, ein Sonnenbild desselben und diese sonderbare Erscheinung zeigt sich sogar noch mehrere Tage nach dem ersten Versuche.

3) Wenn bei dem bekannten Versuch auf Glas mit Flußsäure zu äzen der Dampf sehr schwach war, bemerkt man nach Beseitigung des Wachses keine Spuren auf dem Glase; haucht man aber darüber, so verdichtet sich die Feuchtigkeit in der Art, daß der ganze Gegenstand sichtbar wird.

Wir müssen die chemischen Veränderungen, welche das Jodsilber im Sonnenlicht erleidet, von den mechanischen Veränderungen des empfindlichen Ueberzugs wohl unterscheiden: Jodsilber wird im Sonnenlichte schwarz, und der gute Erfolg bei Daguerre's Verfahren hängt ganz davon ab, daß die Operation unterbrochen wird, bevor diese Veränderung eintritt.

Der Jodüberzug ist nicht unumgänglich nöthig, um Bilder mittelst Queksilberdampf hervorzubringen, sondern es scheint dazu nur eine metallische Oberfläche erforderlich zu seyn. Wenn man nämlich ein Lichtbild vom Queksilber reinigt, die Platte durchgehends mit Tripel polirt, mit Salpetersäure abwascht und ganz glänzend macht, so wird das ursprüngliche Bild – wenn sie nur nicht erwärmt worden ist – durch Queksilberdampf wieder zum Vorschein kommen. Gehört diese Erscheinung nicht in das Gebiet der oben angeführten?

Ich bereite das Silberblech für Lichtbilder auf folgende Art vor: nachdem es gehörig planirt worden ist, lasse ich es mit Tripel und Oehl so gut als möglich Poliren, worauf ich es erhize und mit Salpetersäure