Text-Bild-Ansicht Band 78

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abwasche, wie es Daguerre vorschreibt, sodann aber mit (feingeschlemmtem und gut getroknetem) Kreidepulver abreibe und zulezt noch mit reinem und trokenem Baumwollzeug übergehe; dadurch erhält die Platte ein tiefschwarzes Lüster, und die Oxydschichte, welche die Salpetersäure zurükgelassen haben könnte, wird vollkommen beseitigt.

Um die Silberplatte mit Jod zu überziehen, benuze ich eine beiläufig 2 Zoll tiefe Schachtel, auf deren Boden ich das Jod in groben Stükchen lege, und halte, ohne ein Tuch dazwischen zu bringen, die Silberplatte, welche ich für diese Operation mit einem Griff versehe, einen halben Zoll über den Krystallen, wobei sie sich nach 1–3 Minuten vollkommen mit Jod überzieht; um dieses Erfolges sicher zu seyn, sind keine metallenen Streifen erforderlich, und wenn die Ränder und Eken durchaus rein waren, wird der goldene Anflug gleichförmig erscheinen.

Daguerre rathet die Silberplatte nach dem Jodiren ohne Zeitverlust in die Camera obscura zu bringen, und keineswegs soll man nach ihm über eine Stunde warten, weil sie sonst die photogenischen Eigenschaften nicht mehr in dem erforderlichen Grade besize. Ich habe wenigstens bei meiner Vorbereitung der Platte gefunden, daß sie die Empfindlichkeit nicht so bald verliert, und als ich sie 12–24 Stunden lang im Dunkeln ließ, wurde ihre Empfindlichkeit oft sogar auffallend größer. Wer sich viel mit der Darstellung von Lichtbildern abgegeben hat, wird oft bemerkt haben, daß der Jodüberzug nicht an allen Stellen gleich empfindlich ist und oft nur die Lichter herauskommen, während die Schatten sich nicht entsprechend entwikeln; dieß findet aber gerade bei einer Platte, welche mehrere Stunden aufbewahrt worden ist, nicht in solchem Grade statt und auf diese Thatsache (die ich keineswegs zu erklären beabsichtige) mache ich hauptsächlich deßwegen aufmerksam, weil sie für Reisende, die sich mit der Aufnahme von Lichtbildern befassen, wichtig ist; dieselben werden finden, daß das Jodsilber seine Empfindlichkeit in vielen Tagen nicht verliert.

Nach Herschel muß das Objectivglas einer photographischen camera obscura nothwendig vollkommen achromatisch seyn, und auch Daguerre empfiehlt in seiner Abhandlung ein solches Objectivglas anzuwenden. Dieser Ansicht bin ich keineswegs. Alle Sonnenstrahlen, vielleicht mit Ausnahme der gelben, lassen einen Eindruk auf dem Jodsilber zurük; die weniger brechbaren Strahlen wirken jedoch viel langsamer als diejenigen am entgegengesezten Ende des Spectrums. Bei den gewöhnlichen Gläsern findet die kräftigste Wirkung im Indigoblau oder an der Gränze des Blau statt. Die Nezhaut empfängt