Text-Bild-Ansicht Band 78

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nun aber einen Eindruk mit gleicher Leichtigkeit von jedem der verschiedenen Strahlen, indem das gelbe Licht so schnell auf sie wirkt wie das rothe oder blaue. Das Sehen wird daher unabhängig von der Zeit verrichtet, weil das Auge alle Farben des Spectrums mit gleicher Leichtigkeit und Geschwindigkeit auffängt. Anders ist es aber bei der Darstellung von Lichtbildern; bei der Wirkung des Lichts auf präparirtes Silberblech kommt auch die Zeit in Betracht; der blaue Strahl kann z.B. seine volle Veränderung hervorgebracht haben, wenn der rothe erst langsam zu wirken anfängt, und der rothe kann seine Wirkung beendigt haben, ehe noch der gelbe eine merkliche hervorgebracht hat. Es ist daher klar, daß man zur Darstellung guter Lichtbilder nicht nothwendig ein achromatisches Objectivglas haben muß; denn wenn die Silberplatte in einem gewissen Zeitpunkte weggezogen wird, wo nämlich die kräftigsten Strahlen ihre Wirkung gerade vollbracht haben, werden die mehr zerstreuten aber weniger wirksamen noch nicht Zeit gehabt haben, einen Eindruk zurükzulassen, und so arbeitet man in der That mit einem temporär monochromatischen Licht.

Aus diesem Grunde habe ich auch meine Camera obscura mit einer doppelt convexen, nicht achromatischen Linse versehen. Ich verschaffte mir einige sehr schöne Bilder mit einer gewöhnlichen Brillenlinse von 14 Zoll Brennweite, die am Ende einer Cigarrenbüchse, welche als Camera diente, angebracht war; eine Linse von diesem Durchmesser ist für Silberplatten von 4 Zoll Länge auf 3 Zoll Breite ganz geeignet, um die vollkommensten Lichtbilder zu erzeugen. In diesem Falle verursacht freilich die chromatische Aberration wegen der Größe der Focallänge im Vergleiche mit der Oeffnung wenig Schwierigkeiten; wenn man aber bei derselben Focallänge die Oeffnung auf 3 oder 4 Zoll vergrößert, so wird die Zerstreunng sehr merklich, und doch kann man sich nach der so eben angegebenen Methode gute Bilder verschaffen, weil dann die Hauptschwierigkeit durch die sphärische Aberration herbeigeführt wird.

Ich habe schon bemerkt, daß der wirksamste Strahl für das Daguerreotyp bei Anwendung von farblosem französischem Tafelglas wahrscheinlich im indigoblauen Raume liegt; hieraus folgt, daß man die Länge der Camera obscura, nachdem man sie für den leuchtenden Focus gerichtet hat, verkürzen sollte. Für eine Camera obscura, wo die Linse 15 Zoll Brennweite hat, beträgt die erforderliche Verkürzung selten über drei Zehntel eines Zolles. Bei Anwendung des leuchtenden Focus erhält man ein undeutliches Bild.

Bei der Behandlung der Platte mit Queksilberdämpfen kommt sehr wenig darauf an, unter welchem Winkel sie gestellt wird. Einige