Text-Bild-Ansicht Band 78

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Zeit war man der Meinung, sie müsse notwendig unter einem Winkel von 45–48° geneigt seyn, um den Dampf anzunehmen; hierin wurde aber Daguerre's Abhandlung offenbar mißverstanden. Die Platten nehmen den Queksilberdampf in der horizontalen eben so gut wie in jeder anderen Lage an; eine schwache Neigung hat vielleicht den Vortheil, daß der Dampf gleichförmig über die jodirte Fläche hinströmt, der Hauptzwek bei Anwendung eines Winkels von 45° ist aber, daß man der Operation durch das Glas zusehen kann. Bisweilen ist es vortheilhaft, das Queksilber zum zweitenmal zu erhizen, wenn nämlich das Bild beim erstenmal sich nicht deutlich oder auch gar nicht entwikelte.

Daguerre gab zwei Methoden an, um die für das Licht empfindliche Schicht von der Silberplatte zu entfernen; man soll es nämlich entweder mit unterschwefligsaurem Natron oder mit einer Auflösung von gewöhnlichem Kochsalz abwaschen; jenes entspricht dem Zwek vollkommen, dieses bei weitem nicht so gut. Es gibt aber noch eine andere Methode, welche sehr einfach und überdieß wohlfeiler als die erste der zwei angeführten ist. Nachdem man die Platte in kaltes Wasser getaucht hat, legt man sie in eine mäßig starke Auflösung von gewöhnlichem Kochsalz; darin bleibt sie ohne alle Veränderung; berührt man sie nun aber an einer Eke mit einem blank gefeilten Zinkstük, so trennt sich die gelbe Jodsilberschichte wie eine Woge davon und verschwindet. Dieß ist ein ganz frappantes Verfahren; das Zink und Silber bilden nämlich mit der Salzlösung eine Volta'sche Kette, worin das Zink oxydirt wird, das Silber aber von seiner Oberfläche Wasserstoffgas zu entbinden anfängt, welches im statu nascente die Jodsilberschichte zersezt und Jodwasserstoffsäure erzeugt, die im Wasser sehr auflöslich ist. Während also bei dem Abwaschen der Platte mit unterschwefligsaurem Natron das Jodsilber aufgelöst wird, zersezt es sich bei diesem Verfahren. Man darf das Zink nicht zu lange mit der Platte in Berührung lassen, weil es sonst Fleken absezt, und um dieß zu vermeiden, nimmt man bei großen Platten die Berührung an den vier Eken nach einander vor.

Nach dem Abwaschen des Bildes zeigen sich alle Fehler, welche bei den verschiedenen Operationen begangen wurden. Wenn eine dünne Queksilberschichte darauf zurükblieb, weil sie nicht lange genug (mittelst der Weingeistlampe) erhizt wurde, so sind die Schatten nicht deutlich.

Es ist nicht schwer, ein Bild vom Monde zu erhalten. Ich habe mittelst einer Linse von 3 Zoll Durchmesser und eines Heliostats die Mondstrahlen auf eine Platte convergirt und in einer halben Stunde ein sehr kräftiges Bild bekommen.