Text-Bild-Ansicht Band 78

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gestattete, doch nicht mehr als nöthig war, davon zurükhielt. Bei Anwendung gefärbten Glases braucht man keine große Fläche von solchem, denn wenn man die Operation lange genug fortsezt, sieht man von den Rändern und Eken der Glastafel keine Spur auf dem Portrait; unterbricht man die Operation aber vor der gehörigen Einwirkung des Lichts, so findet man auf dem Portrait gewöhnlich einen der Figur des Glases entsprechenden Flek.

Bei der von mir benuzten Camera obscura dienten als Objective zwei doppeltconvexe Linsen, deren vereinter Focus für parallele Strahlen nur 8 Zoll ist; sie haben im Lichten 4 Zoll im Durchmesser und sind in ein Rohr eingesezt, dessen vordere Oeffnung nach Daguerre's Vorschrift auf 3 1/2 Zoll verengert ist.

Der Stuhl, worauf sich die Person sezt, muß hinten mit einer Stange versehen seyn, welche sich in einen eisernen Ring endigt, der den Kopf in jeder erforderlichen Lage stüzt. Man braucht nur den Hinteren Theil oder die Seite des Kopfs gegen diesen Ring anzulegen, um ihn so ruhig erhalten zu können, daß das Gesicht auf das Genaueste copirt werden kann. Die Hände darf man niemals auf der Brust aufliegen lassen, weil sie sonst in Folge des Ausathmens auf dem Portrait verwischt und undeutlich zum Vorschein kommen, und auch die Adern am Halse dadurch zerstört werden, welche sonst bei ganz ruhigem Verhalten auffallend schön zum Vorschein kommen.

Wir haben schon bemerkt, daß es vortheilhaft ist, eine solche Anordnung zu treffen, daß das Licht unter einem kleinen Winkel auf das Gesicht auffällt. Dadurch beseitigt man auch den Schatten vom Hintergründe gänzlich, zu welchem Zwek überdieß der Stuhl 3 bis 6 Fuß vom Hintergrund entfernt werden sollte.

Den Hintergrund für Lichtportraite kann Jeder nach seinem Geschmak arrangiren; wünscht man einen ganz gleichförmigen, so eignet sich eine Deke oder ein Tuch von hellgrauer Farbe, auf zwekmäßige Art aufgehängt, sehr gut dazu. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient aber die Farbe desselben; wäre es weiß, so würde es zu viel Licht reflectiren und daher auf dem Bilde früher zum Vorschein kommen, als das Gesicht der Person sich ausdrüken konnte; da Weiß die verschiedenen Strahlen alle reflectirt, so würden sich überdieß wegen der chromatischen Aberration an allen Rändern des Bildes Fleken zeigen. Will man zugleich Vasen, Urnen oder andere Zierrathen auf dem Bild erscheinen lassen, so darf man dieselben begreiflicherweise nicht gegen den Hintergrund aufstellen, sondern muß sie vorwärts bringen, bis sie sich vollkommen deutlich auf dem verdunkelten Glase der Camera obscura zeigen.

Ebenso kommen auch die Farben der verschiedenen Theile des