Text-Bild-Ansicht Band 78

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Anzugs in Betracht, wenn man gute Copien erzielen will; die weißen Theile desselben müssen sich nämlich früher abbilden, als z.B. die gelben und schwarzen deutlich geworden sind. Man hilft sich hiebei auf die Art, daß man einer Person mit schwarzem Rok und offener Weste von derselben Farbe, für einige Zeit ein Vorderkleid von hellgrauer oder Fleischfarbe anlegt, weil sich sonst, ehe noch ihr Gesicht und die feinen Schattirungen des Tuchkleides gehörig abgebildet sind, das Hemd schon blau oder sogar schwarz, mit einem weißen Hof umgeben, reproduciren müßte. Wo jedoch die weißen Theile des Anzugs keine große Fläche ausmachen oder eine schiefe Lage haben, sind diese Vorsichtsmaßregeln überflüssig; der weiße Hemdkragen bildet sich z.B. auf dem Portrait nicht viel schneller als das Gesicht aus. So muß man auch beim Portraitiren von Damen darauf sehen, daß ihr Anzug keine stark contrastirenden Farben darbietet.

Die ganze Kunst mittelst des Daguerreotyps Miniaturportraite zu erzielen besteht also darin, das Licht in fast horizontalen Strahlen durch ein blau gefärbtes Medium auf das Gesicht der Person zu richten, welche durch einen einfachen Mechanismus in unverrükter Stellung erhalten wird, und zwar in solcher Entfernung von dem Hintergrund oder in solcher Lage in Bezug auf die Camera obscura, daß ihr Schatten nicht als ein Theil ihres Körpers copirt wird; die Oeffnung der Camera obscura sollte wenigstens 3 1/2 – 4 Zoll weit seyn (je weiter desto besser), wenn das Objectivglas aplanatisch ist.

Bei Anwendung zweier Spiegel dauert das Portraitiren vierzig Secunden bis zwei Minuten, je nach der Intensität des Lichts; benuzt man aber nur einen Spiegel, so braucht man beiläufig um ein Viertel weniger Zeit. Im Freien ist im directen Sonnenlichte kaum eine halbe Minute erforderlich.

Die oben beschriebene Einrichtung der Camera obscura liefert umgekehrte Bilder, indem sich die rechte und linke Seite vertauschen. Hr. Woolcott, ein talentvoller Mechaniker in New-York, nahm unlängst ein Patent auf die Anwendung eines elliptischen Spiegels zum Portraitiren; ein solcher hat beiläufig 7 Zoll Oeffnung und gestattet ihm, bequem mit Silberplatten von 2 Zoll im Quadrat zu operiren. Der Hohlspiegel gewährt gegen die convexe Linse den Vortheil, daß man das Bild in seiner richtigen Lage, nämlich nicht umgekehrt erhält; dagegen hat er auch wieder den großen Nachtheil, daß er die Größe der Silberplatte beschränkt und die etwas vom Centrum entfernten Theile auf eine sehr verworrene Art