Text-Bild-Ansicht Band 78

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man auch zweifeln dürfen, daß diese Substanz je industrielle Anwendung finden werde, so wäre es, da die Pflanze, welche sie hervorbringt, auch andere Eigenschaften in sich vereiniget, welche ihr Werth verleihen, da sie mit wenig Unkosten und ohne viele Mühe angebaut werden kann, und es übrigens auch von Wichtigkeit wäre, nachdem nun einmal das vorliegende Resultat erhalten wurde, wenn nun auch Andere Versuche damit vornehmen wollten, doch jedenfalls zu wünschen, daß die Cultur dieser Pflanze ermuntert und etwas ins Große getrieben würde.

Für diejenigen, welche meine Versuche zu spinnen wiederholen wollen, gebe ich hiemit als Anleitung das Verfahren an, das ich bei Verfertigung der vorgelegten Muster beobachtete, und das mit dem bei der Baumwolle angewandten beinahe übereinkömmt. Nur das Kämmen (Karben) machte einige besondere Vorsichtsmaßregeln notwendig. Bei der außerordentlichen Flüchtigkeit nämlich der Asclepiasseide gab es kein Mittel, eine von dieser Substanz allein gefertigte Watte (Wikel) zu bereiten, welche kardirt werden sollte. Man half sich also dadurch, daß man auf einer Grobkarde, an welcher eine Trommel in Form einer Rufwalze angebracht war, sehr dünne Wattlagen von reiner Baumwolle machte, deren jede aus zwei Schichten zusammengesezt war, auf welche diejenige zu liegen kam, die der Kamm abstrich. Auf ein der Art erhaltenes Vließ wurde eine Lage Asclepiasfasern von beliebiger Dike ausgebreitet, diese wieder mit einem zweiten Baumwollenvließ bedekt. So eingeschlossen zwischen den beiden Watten oder Vließen, einer aus lauter an einander Hangenden Fäserchen bestehenden Substanz, konnten die Asclepiasfäserchen sich nicht mehr in die Luft verbreiten. Das Gemenge wurde hierauf in eine von allen Seiten sorgfältig verschlossene Kardmaschine gebracht, der man eine sehr gemäßigte Geschwindigkeit gab. Troz dieser Vorsicht entflogen fast alle Asclepiasfäserchen, welche beim Kardiren nicht auf eine oder die andere Weise in unmittelbare Berührung mit den Baumwollenfäserchen kamen, durch die kleinen Zwischenräume, welche die Hüte und die große Trommel zwischen sich lassen. Beim Herauskommen aus der Kardmaschine konnte man nichtsdestoweniger wahrnehmen, daß der größte Theil davon noch auf der Baumwolle geblieben war, die einen integrirenden Theil der Watte oder vielmehr des von dieser abgegebenen Bandes ausmachte. Diese Bänder ließ man zwei Strekköpfe passiren. Ein drittesmal konnten sie den Durchgang nicht vertragen, da die Baumwollfäserchen nun einmal parallele Richtung hatten und aufhörten sich auch nur einigermaßen in verschiedene Richtungen zu ordnen daher sie jene der Asclepias auch nicht mehr genugsam zu binden