Text-Bild-Ansicht Band 78

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LX. Ueber Boucherie's Verfahren dem Holz eine längere Dauer zu sichern; von Hrn. Eduard Köchlin.

Auszug aus dem Bulletin de la Soc. industr. de Mulhausen, No. 64, S. 325.

Hr. Boucherie 48) hat die glükliche und mit gutem Erfolge gekrönte Idee gehabt, die Lebenskraft der Bäume zu benüzen, um sie einige Zeit, ehe sie völlig umgehauen werden, verschiedene in Wasser gelöste Substanzen aufsaugen zu lassen, wodurch das Holz derselben neue, schäzbare Eigenschaften gewinnt. Folgende sind die sehr wichtigen Zweke, welche er sich dabei vorgesezt hat:

1) die Erhaltung des Holzes zu sichern, indem er es in einen Zustand versezt, daß es zu gleicher Zeit den schädlichen Einwirkungen atmosphärischer Einflüsse und der Insecten widerstehe;

2) ihm auf dauernde Weise, wenn dessen Anwendung es erheischen sollte, eine jener des frischen Zustandes gleiche oder sie noch übertreffende Elasticität und Biegsamkeit zu ertheilen;

3) sein Schwinden zu verhindern, wenn es einmal verarbeitet ist;

4) die Entzündlichkeit und Verbrennlichkeit des Bauholzes zu vermindern;

5) das zur Kunsttischlerei bestimmte Holz in der Masse zu färben.

Hr. Boucherie hatte den Wunsch ausgesprochen, daß, da viele seiner diese wichtigen Zweke betreffenden Versuche bereits bestens gelungen sind, auch Andere diesen Gegenstand durch Anstellung von Versuchen unterstüzen möchten. Hr. Ed. Köchlin hat dieß gethan, und es folgen hier einige wichtige Ergebnisse.

Es wurde Hrn. Boucherie's Versuch mit holzsaurem Eisen an

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Man wärmt sie wie eine gewöhnliche Waidküpe auf und nachdem sie gereinigt ist, wird sie 1/4 Stunde lang umgerührt, welches Umrühren von 3 zu 3 Stunden wiederholt wird. Nach 16 bis 18 Stunden erfolgt die Gährung, wo man dann alle 2 bis 3 Stunden jedesmal 4 bis 5 Pfd. Kalk zusezt; übrigens gibt man nach der Stärke der sich einstellenden Gährung mehr oder weniger Kalk. Gewöhnlich ist die Küpe in 24 bis 36 Stunden ausgeschärft. Wenn die Küpe angekommen ist, so schlängelt sich als besonderes Zeichen die Indigoauflösung bei dem Rühren wellenförmig auf der Oberfläche herum, worauf man wie gewöhnlich einblauet. Nachdem man etwas umgerührt hat, erwärmt man die Küpe und sezt anfänglich 9 Pfd. Kleie und 1 1/2 Pfd. Soda auf 1 Pfd. Indigo hinzu, läßt die Küpe wiederum ankommen und schärft sie nach dem Geruch, welcher (wegen der Kleie) etwas süßer als bei der Waidküpe ist. Bei guter Behandlung der Küpe, und wenn am ersten und zweiten Tage nur 1 bis 2mal umgerührt wird, erhält man eine Lauge, die sehr hochgelb und nicht so dik ist, wie jene der Waidküpe.

Man kann jedoch diese englische Küpe auch mit frischem Wasser ansezen; ihre Herstellung erfordert dann aber mehr Zeit. Diese Küpe ist einfacher und billiger zu führen als die Waidküpe und überdieß wird die Wolle schöner und klarer und verliert nichts in der Walke. E. D.

48)

Man vergl. seine Abhandlung im polyt. Journal Bd. LXXVII. S. 144.