Text-Bild-Ansicht Band 78

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auf eine äußerst plumpe Art angefallen, welche ich ehrenrührig nennen würde, wenn ich meine Ehre für leichter verwundbar hielte, als ich mir schmeichle, daß sie ist. Sein Artikel führt die Ueberschrift: Hr. Director Karmarsch als Kritiker und als Mensch.“ Hochtönend genug ist sie, und zugleich thut sie von Vorn herein dar, auf welches ungehörige Feld Hr. R. die Angelegenheit hinüberspielt. Da derselbe, wie er mit den bestimmtesten Worten ausspricht, mich, wenigstens was meine Grundsäze anbetrifft, nicht kennt, so frage ich: welcher Ehrenmann erlaubt sich, einen Andern in seinem Charakter, in dem, was er „als Mensch“ werth seyn mag, anzugreifen und zu verdächtigen, ja zu lästern, wenn er diesen Andern gar nicht kennt?! Hr. R. rechnet mich zu den von Hrn. v. Cotta „aufgegriffenen Söldlingen“; Hr. R. gibt mir Schuld: ich sey „mit Gemeinheit aufgetreten“; Hr. R. schreibt mir „unlautere Absichten“ zu; Hr. R. spricht von „Verdienung eines Lohns“, dem zu Liebe ich geschrieben haben soll, wie ich schrieb; Hr. R. nennt mich „einen Spürhund des polytechnischen Journals“; Hr. R. meint endlich, ich habe mich „förmlich lächerlich gemacht“, und gibt mich der „Verachtung eines jeden Ehrenmannes“ preis. Sollte man nicht glauben, der Mann, dem alle diese Ausdrüke gelten, sey ein gedungener Straßenräuber, mindestens ein Subject ohne allen moralischen Werth? Und ist es nicht erstaunlich, von einem Schriftsteller, der mit Ausdrüken, wie die obigen, um sich wirft, zu lesen, wie er einen Andern der Gemeinheit beschuldigt, ohne zu bemerken, daß er selbst sich ganz und gar in Gemeinheit versenkt hat? Entweder verstehe ich meine liebe Muttersprache nicht mehr, oder es liegt hier Stoff zu dem erbaulichsten Injurienprozesse vor. Ich habe nicht selten gesehen, daß Schriftsteller, denen noch lange nicht so arge Dinge geboten worden waren, sich hinreißen ließen, mit gerichtlicher Belangung vorzuschreiten, und habe ein solches Verfahren fast immer sehr unangemessen gefunden. Vergißt von zwei Männern, die in ihren literarischen Ansichten disharmoniren, der eine sich so weit, die Ehre und Rechtlichkeit des anderen anzutasten; zu welchen Unziemlichkeiten muß es führen, wenn der grundlos Beleidigte dem Angriffe seinen Zorn entgegensezt statt Mäßigung und Ruhe? Diese lezteren beiden ganz allein soll Hr. R. von mir zu sehen bekommen; was ich damit für ein Gefühl im Innern verbinde, ist eine Sache für mich allein: Kränkung oder Beschämung oder Aerger heißt es nicht, wiewohl vielleicht die Absicht hierauf gerichtet gewesen seyn mag.

Ich bitte die Leser um Erlaubniß, mit einigen Zeilen auf die Beschuldigungen des Hrn. R. im Einzelnen antworten zu dürfen. Die Quintessenz des von ihm Vorgebrachten besteht in dem Vorwurfe: ich sey von der Verlagshandlung des polytechn. Journals in Sold genommen, um alle mit dieser Zeitschrift concurrirenden Journale „herunter zu reißen.“ Diese Beschuldigung (welche, wenn sie gegründet wäre, mich mit Recht ehrlos machen würde) wird nun in der weitern Ausführung nicht etwa bewiesen, sondern geradezu als ein ausgemachtes Factum hingestellt, aus welchem Hr. R. Alles, was ihm an meiner Kritik nicht gefallen hat, spielend ableitet und erklärt. Ware ein solches Verfahren nicht gar zu unbesonnen – eigentlicher zu sagen wahnsinnig – so sähe ich mich gedrungen, es schamlos zu nennen. Wodurch hält sich Hr. R. berechtigt, einen unbescholtenen Mann, auf leere Voraussezungen hin, der Schurkerei zu bezichtigen? Hält er es denn so ganz für unmöglich, daß (wie es thatsächlich der Fall ist) ich nach treuer reiner Ueberzeugung kritisire?