Text-Bild-Ansicht Band 80

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übereinstimmen. Dabei verwendet man nur wollene oder auch Haartücher. Neben der Presse befindet sich ein eiserner Dampfkasten, welcher geräumig genug ist, um alle beim Pressen nöthigen Utensilien, wie eiserne Platten und härene Preßtücher, fassen zu können. Diese Eisenplatten, so wie die erwähnten Preßtücher besizen eine Stärke von circa 0,02 M.

Sobald dieselben durch Dampf hinlänglich erhizt worden sind, wird die Presse so schnell wie möglich damit beschikt. Deßhalb müssen alle Preßsäke vorher schon gefüllt, ihre Oeffnungen umgeschlagen und Alles zum Einlegen in den Preßtrog vollkommen bereit seyn. Sodann zieht man ein Haartuch aus dem Dampfkasten, schlägt den Sak hinein und stellt ihn in den Preßtrog zwischen zwei heiße Platten. Diesem folgt ein zweiter Sak in ein zweites Haartuch eingeschlagen zwischen die lezte und eine nachfolgende neue Platte gestellt u.s.f., bis die Presse gefüllt ist. Das Pressen erfolgt nun so schnell wie möglich, weil es nicht rathsam ist, die Stearinsäure länger als 10 Minuten diesem Druke auszusezen. Das Volumen dieser Säure vermindert sich hiedurch immer noch bedeutend und der leichter schmelzende Theil (meist Oehlsäure mit wenig Margarin- und Stearinsäure) läuft etwas gefärbt in das Preßreservoir zugleich mit dem aus den Haartüchern ausgedrillten Wasser. Der Rükstand in den Preßtüchern zeigt sich nun blendendweiß von Farbe und besizt Perlmutterglanz.

Einige Fabrikanten wollen nun die bis dahin gereinigte Stearinsäure nochmals mit verdünnter Schwefelsäure und Wasser auswaschen. Dieß scheint indessen, sobald die Zersezung der Kalkseife vollkommen stattfand, unnüz zu seyn.

Als ein Datum zur Ermittelung des Zeitaufwandes beim heißen Pressen möge hier angeführt werden: daß nach dem kalten Pressen circa 10 Proc. flüssiger (Oehl-) Säure in den Preßkuchen annoch zurükgehalten werden, wonach also nur noch 10 + 45 = 55 Kil. von 100 ursprünglich angewandter Talgmasse zur Verarbeitung übrig sind. Nimmt man täglich 2000 Kilogr. Talg in Arbeit, so werden auch 2000/100 × 55 = 1100 Kilogr. Stearinsäure = 1222 Kubikdecimeter in derselben Zeit durch die warme Presse gehen müssen.

Hieraus, so wie aus der Annahme, daß jedes Einsazquantum von Stearinsäure 0,02 M. Dike habe, würde sich, mit Rüksicht auf die für die Eisenplatten und Haartücher schon angegebene Stärke, die zum Pressen der gegebenen Stearinsäure erforderliche Zeit leicht ermitteln lassen.