Text-Bild-Ansicht Band 92

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einführte, hatten eine gänzliche Umgestaltung dieser Verhältnisse zur Folge.

Der Schwefel wird bei Lamy's Verfahren zuerst einer Reinigung unterworfen, durch welche ohne Kosten das Wasser, organische Beimengungen und schwerere mineralische Substanzen entfernt werden; hierauf wird er ohne Mühe und ohne Verlust in einen verschlossenen Cylinder decantirt und gänzlich überdestillirt, wobei er nur einen unbedeutenden pulverigen Rükstand hinterläßt. Mehrere Operationen folgen aufeinander, ohne daß der Apparat auseinander genommen werde; ist dieß nöthig, so hebt eine bewegliche Stopfvorrichtung die Communication mit der Kammer auf und verhindert so die Bildung von schwefliger Säure und zugleich das Eindringen von Asche in die Kammern.

Ueberdieß sind die von Baksteinen errichteten (durch Cement verbundenen) Kammern mit großen, leicht zu hebenden Ventilen versehen. Alle diese Vorrichtungen haben den beabsichtigten Zwek so erfüllt, daß seit ihrer Einführung auch nicht der geringste Unglüksfall vorgekommen ist und daß solcher in Form von Blüthe oder Stangen raffinirte Schwefel im Handel sehr gesucht ist.

Da somit das Problem der Reinigung des Schwefels durch gesunde Verfahrungsweisen und Apparate gelöst ist, ohne etwas zu wünschen übrig zu lassen, votirte die Commission dem Hrn. Lamy 23) einen Preis von dreitausend Francs.

3) An mehreren Pläzen hatten das Stillstehen und die unterirdische Einsikerung des Wassers der Kartoffelstärkefabriken sehr große Uebelstände zur Folge. Erst unlängst wurde ein Teich in der Umgegend von Paris davon inficirt; das Brunnenwasser wurde durch solche Einsikerungen oft faulig, besonders, wenn unter dem Einfluß organischer Materien der stark gypshaltige Boden die Bildung eines Sulphurids und in Folge davon von Schwefelwasserstoff veranlaßte. – So verhielt es sich vor dem Jahr 1839 mit der Kartoffelstärkefabrik zu Trappes, deren gefaultes Wasser seine Dünste weit verbreitete und die großen Wasserreservoirs zu Versailles anzusteken drohte. Den HHrn. Jarrin und Longcoté gelang es durch sinnreiche und neue Vorkehrungen alles dieses Wasser jede Campagne hindurch zu nüzlichen Bewässerungen zu verwenden. Sogar die so leicht in Fäulniß übergehenden Bodensäze wurden durch sie gesammelt,

23)

Hr. Simonin, Besizer einer chemischen Fabrik zu Poterie (untere Seine), reclamirte gegen diese Belohnung Lamy's, indem er behauptet, daß Lamy das besprochene Verfahren den Schwefel zu reinigen in der Fabrik zu Poterie kennen gelernt habe, wo es schon seit langer Zeit angewandt werde. (Comptes rendus, März 1844, Nr. 13.)