Text-Bild-Ansicht Band 92

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dem untergestellten Glase sammelnd. Man wiederholt die Operation, so lange der Aether noch gefärbt abläuft.

Die erhaltenen Auszüge von orangerother Farbe verdampft man am besten gleich in demselben Glase, in welchem man sie aufgefangen hat, zur Trokne, gießt dann auf den Rükstand 2 Loth destillirtes Wasser, in welchem man 5 Gran kaustisches Kali oder Natron gelöst hat. Der Farbstoff löst sich in dieser schnell mit intensiv violetter Farbe auf; wenn alles gelöst ist, sezt man tropfenweise Salzsäure zu, bis diese etwas vorwaltet, der Farbstoff schlägt sich dadurch in orangefarbenen Floken wieder nieder. Man sammelt nun den Niederschlag auf einem gewogenen Filter, süßt ihn gut aus, troknet und wiegt ihn. Das Uebergewicht des Filters ist, wenn man vorsichtig arbeitet, reiner Krappfarbstoff, Alizarin, nach Robiquet, von dessen Menge die Güte des Garancin, wenn auch nicht allein, abhängig ist.

Das Auflösen des ätherischen Auszugs in kaustischem Alkali ist nothwendig, da man nur so im Stande ist, das Alizarin troken und wägbar zu erhalten; man darf nur die einzige Vorsicht nicht versäumen, es aus dieser Lösung sofort durch Säuren zu fällen.

Da jedoch das Alizarin in dieser großen Vertheilung in angesäuertem Wasser etwas löslicher als in reinem Wasser ist, so muß man, um der Wahrheit ganz nahe zu kommen, für je 1000 Gran der abfiltrirten Flüssigkeit 2 Milligramme der gefundenen Menge Alizarin zurechnen.

Die Eigenschaften des so erhaltenen Alizarin stimmen mit den Angaben von Robiquet überein; nur einiges dürfte hinzuzufügen seyn.

Concentrirte Schwefelsäure zerstört es vollständig.

Salpetersäure verwandelt es in Kohlenstikstoffsäure.

Sehr charakteristisch ist die Wirkung der äzenden Alkalien.

Ammoniak löst es mit schön violetter Farbe und hinterläßt es beim Verdampfen unverändert.

Kaustisches Kali und Natron lösen es mit gleicher Farbe auf und zersezen es beim Ausschluß der Luft nicht, beim Luftzutritt jedoch tritt nach und nach eine ähnliche Verwesung ein, wie sie so schön beim Blauholzfarbstoff beobachtet wurde; die violette Farbe geht nach und nach ins Rothe und am Ende ins Braune über; Säuren fällen es nun nicht mehr gelblich roth, sondern braun, dem Eisenoxydhydrat ähnlich, es sublimirt und färbt nicht mehr. Z. (Allgem. Zeitg. für National-Industrie etc. 1844. Nr. 25.)

Vorsichtsmaaßregeln bei der Chlorbleiche.

Das Bleichen leinener und baumwollener Zeuge und Garne mittelst Chlor hat nun allgemeine Anwendung gefunden; die dagegen stattgehabten Vorurtheile sind so ziemlich besiegt, und jeder wenn auch nur etwas Unterrichtete sieht nun, daß dasselbe, richtig angewendet, für die Dauerhaftigkeit der Stoffe nicht im geringsten nachtheilig ist. Zur Darstellung des Chlors hat man bekannte Recepte, die mehr oder weniger die richtigen proportionalen Verhältnisse der anzuwendenden Ingredienzien angeben; doch hat es auf den Erfolg und namentlich auf die Qualität und Weiße der Zeuge keinen so entschiedenen Einfluß, wenn solche nämlich die richtigen (stöchiometrischen) Verhältnisse, auch nicht immer ganz scharf eingehalten werden. Dieß ist für den nicht rationellen Bleicher (und diese bilden die Mehrzahl) auch schwer, weil die anzuwendenden Stoffe, namentlich Braunstein, häufig in dem Gehalt differiren. Man lasse sich also nicht irre führen, wenn, wie es leider noch sogar häufig geht, eine Bleiche mißlingt, denn wenn es gleich in ökonomischer Beziehung wichtig ist, so kann es doch niemals ein gänzliches Mißlingen oder Unbrauchbarwerden des Bleichwassers herbeiführen, wenn darin auch etwas gefehlt wird.

Häufig, ich möchte sagen am häufigsten, sind Metalle oder deren Oxyde daran Schuld, wenn die gewünschte Weiße nicht erreicht wird. Schon vor mehreren Jahren warnte ein Sachverständiger vor dem Eisen, das der Thon, welcher zu den Lutirungen verwendet wird, bisweilen enthält. Ich nahm mir schon damals