Text-Bild-Ansicht Band 92

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ein Stük Papier darüber gelegt, mit einem Tuche nieder. Es handelt sich nun darum, das Papier des Kupferstiches wegzuschaffen, so daß der Druk auf dem Schreibpapiere stehen bleibt, was in der Weise geschieht, daß man sogleich nach dem Auskleben des Kupferstiches das Papier, so lange es noch feucht ist, mit einem sehr feinen, stumpfen Zahnbürstchen oder mit einem trokenen Schwamme oder auf sonst eine Weise ziemlich bis auf den Druk abreibt. Hierauf läßt man das nach erfolgtem Abreiben vom Kupferstich noch übrige Papier troknen, um es später wieder feucht abzureiben, bis der Kupferstich, der allmählich zum Vorschein kommmt, das Ansehen erhält, als wäre er mit einem Flore überdekt. Nun schneidet man das aufgespannte Schreibpapier, auf welches der Kupferstich auf die angegebene Art aufgetragen worden ist, ab, bestreicht dessen Rükseite mit Abzuglak und klebt es so schnell als möglich auf ein sauber abgezogenes Stük Holz, läßt es einige Minuten troknen und reibt dann das Papier ab, wonach der Kupferstich auf das lezterwähnte Holz übergezogen seyn wird.

Bereitung des Lakes.

Zu 3 Loth hell ausgesuchtem Sandrak schüttet man in einem reinen Glase ein wenig Alkohol und schüttelt diese Mischung einige Minuten lang, wodurch eine unreine Flüssigkeit entsteht, die man von dem Sandrak abgießt; es geschieht dieses, um den Sandrak zu reinigen. Hierauf gießt man zu lezterem 4 Loth Alkohol, hält das Glas in heißes Wasser, und läßt so den Sandrak halb darin zergehen. Der so geschmolzene Sandrak wird in ein anderes reines Glas geschüttet und ihm nochmals 4 Loth Alkohol zugesezt, alsdann läßt man ihn vollends schmelzen, gießt die Hälfte Alkohol wieder dazu, nebst 1/2 Loth venetianischen Terpenthin und 1/4 Loth Kampher. Diese Mischung läßt man noch 10 Minuten in heißem Wasser sich vollends auflösen und filtrirt sie durch Leinwand in ein reines Glas.

Bereitung des Abzuglaks.

Zu 3 Loth des eben angegebenen Lakes sezt man 2 Loth venetianischen Terpenthin und läßt diese Mischung in heißem Wasser sich innig vereinigen. Sie wird gleichfalls durch Leinwand filtrirt und dann in einem Glase aufbewahrt. Sollte dieser Lak durch längeres Stehen zu dik werden, so verdünnt man ihn mit etwas Alkolhol.

Dem vorbeschriebenen Verfahren fügt noch Hr. Stenz bei, daß die Franzosen zuerst das Holz mit einem Lak überzögen, sodann den Kupferstich mit einer Flüssigkeit (mordant) ganz durchdringen ließen und nun jenen auf das Holz fest aufpreßten. Das Papier, auf welches zu diesem Zwek Kupferstiche gedrukt würden, sey sehr dik und schwammig. Nachdem der Kupferstich die erforderliche Zeit hindurch auf das Holz aufgepreßt worden, werde das Papier mit den Fingern oder einem feinen Läppchen leicht aufgerieben.

Verfahren mit Gehirn verfälschte Milch zu erkennen.

Angeblich wird in Paris abgerahmte Milch mit Kalbs- oder Schafshirn versezt; diese Verfälschung erkennt man nach Henry und Soubeiran leicht nach folgendem Verfahren, welches sich auf die Eigenschaft der Fremy'schen Oleophosphorsäure gründet, in Berührung mit säurehaltigem Wasser in Oleïn und in Phosphorsäure zu zerfallen.

Man behandelt den an der Oberfläche der Milch sich bildenden rahmartigen Antheil mit reinem Aether. Der Auszug hinterläßt einen Rükstand von fetten Materien, welche man mit destillirtem Wasser kocht, dem man einige Tropfen reine Schwefelsäure zugesezt hat. In dem Filtrat läßt sich alsdann durch Kalk- und Barytwasser, salpetersaures Silberoxyd und Bittererdesalze die Gegenwart von Phosphorsäure nachweisen. Reine Milch zeigt diese Reactionen nicht. (Journal de Pharmacie, Bd. I S. 222.)