Text-Bild-Ansicht Band 92

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Ueber Conservation von Oehlgemälden.

Hr. Beulard, welchem im Jahr 1843 von der Société d'Encouragement eine Medaille zuerkannt wurde für sein Verfahren, der schädlichen Wirkung der Feuchtigkeit in den Häusern zu begegnen, machte von demselben eine sehr glükliche Anwendung zur Erhaltung der Oehlgemälde. Man gibt zu diesem Behufe der Rükseite der Leinwand einen oder zwei gewöhnliche Oehlanstriche und belegt den noch frischen Anstrich mit dünnen Stanniolblättern, welche bald fest anhaften und die Leinwand vollkommen bedeken. Nöthigenfalls trägt man auf die Metallfolie noch einen Anstrich auf. Dieses einfache und wohlfeile Verfahren ist besonders anwendbar bei Bildern, welche an den Mauern der Kirchen und anderer Gebäude aufgehangen werden. Zur Probe brachte man ein nur zur Hälfte auf obige Weise geschüztes Bild in einen Keller und breitete über die ganze Fläche desselben feuchte Erde aus, welche von Zeit zu Zeit noch befeuchtet wurde. Nach 3 Monaten war der nicht geschüzte Theil der Leinwand gefault, während der bedekte Theil eine kaum merkliche Veränderung erlitten hatte. Herpin. (Bulletin de la Société d'Encouragement, März 1844, S. 125.)

Mittel zum schnellsten Troknen der Oehlfarbe.

In einer Sizung des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen wurde die Frage aufgeworfen: welches Mittel dient zum schnellsten Troknen der Oehlfarbe; jedoch muß das hierzu angewendete Mittel so rein seyn, daß hierdurch die Reinheit der Oehlfarbe nicht beeinträchtigt wird? Der Vorstand beantwortete diese Frage folgendermaßen:

Unter allen troknenden Oehlen ist das Mohnöhl am wenigsten gefärbt, wenigstens bei weitem nicht in dem Grad wie Leinöhl; um nun dasselbe zu gut troknendem und weißem Anstriche geschikt zu machen, muß ihm die troknende Eigenschaft ertheilt werden, ohne es der geringsten Erhizung auszusezen, welche unfehlbar sogleich eine Bräunung nach sich ziehen würde. Da aber Metalloxyde, die vermöge ihres Sauerstoffgehaltes dem Oehle die Eigenschaft ertheilen, diker und leichter troknend zu werden, sich bei gewöhnlicher Temperatur nur sehr schwer in Oehlen auflösen, so dürfte nachfolgendes Verfahren eine besondere Beachtung verdienen:

„Bleizuker (essigsaures Blei) hat bekanntlich die Eigenschaft, noch viel mehr Metalloxyd aufzunehmen; wenn nun etwas Bleizuker in heißem Wasser aufgelöst und diesem die Hälfte seines Gewichts fein gepulverte Silberglätte zugesezt wird, und wenn dann die Mischung eine Zeit lang gekocht worden ist, so wird eine weiße Farbe am Boden des irdenen Kochgeschirres sich niedersezen, die überbasisches essigsaures Blei ist, und diese Farbe von der über ihr stehenden Flüssigkeit abgesondert und gelinde getroknet dem Mohnöhl dann zugesezt, ertheilt demselben die Eigenschaft, mit unveränderter Farbe, sehr bald als Firniß verwendet werden zu können, was noch befördert wird, wenn man das mit Bleisalz gemischte Oehl in die Sonne stellt, wobei auch noch durch das Bleichen des Oehls dessen lezte Farbenspuren entfernt werden.“

„Statt Bleizuker mit Silberglätte gekocht, kann man auch reines Bleiweiß anwenden, das als basisches Salz ebenso gern wie das neutrale essigsaure Blei einen Antheil Bleioxyd an das Oehl abgibt, da hier die Verbindung zwischen Säure und Metall ebenso schwach als im erstern Salz ist.“ (Verhandlungen des großh. hess. Gewerbv. 4tes Quartalheft 1843.)

Verfahren zur Bereitung von Firniß.

Man nimmt trokenes und gepulvertes schwefelsaures Blei (welches man in den Kattundrukereien bei Bereitung der essigsauren Thonerde als Nebenproduct erhält), reibt es mit Leinöhl zusammen und gießt so viel Leinöhl darüber, daß das Ganze beim Schütteln eine milchartige Farbe annimmt. Das Schütteln wird während drei bis vier Tagen mehrmals wiederholt und das Glasgefäß dem Sonnenlicht ausgesezt. Das schwefelsaure Blei sezt sich und reißt einen Theil des Schleims aus dem Oehl mit sich; das Oehl wird zulezt ganz klar und nach und nach vollkommen gebleicht. Der Schleim über dem Bleisaz bildet eine zusammenhängende Haut, welche so hart wird, daß das darüber befindliche klare Oehl abgegossen