Text-Bild-Ansicht Band 92

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Er hat vier Muster von Waldwolle eingeschikt; die geringste Sorte soll für Pferdegeschirr und dergleichen dienen. Bei dieser kommt es weder auf die Feinheit der Faser noch darauf an, ob sie mehr oder weniger den übrigens nicht unangenehmen Tannengeruch hat. Die zweite Sorte ist für Matrazen u. dgl., die dritte für Bettdeken, Schlafröke und Damenunterröke bestimmt und die vierte ist das Ergebnis eines noch sorgfältigeren Versuches im Kleinen. Die dritte und vierte Sorte haben nicht mehr Geruch, wie auch andere Stoffe, die zum Polstern der Möbel etc. dienen. Hr. Weiß hat ferner Proben wegen der Dauerhaftigkeit und Haltbarkeit der Fäden angestellt. Er hat damit ein Pferdekissen, das schwer belastet und in täglichem Gebrauch war, angefüllt. Nach sieben Monaten wurde die Wolle herausgenommen und es fand sich, daß sie zwar zusammengepreßt war, aber sonst im Geringsten nicht gelitten hatte, während Pferdehaare dieselbe Probe bei weitem nicht so gut bestanden und vielfach gebrochen und zum Theil in Staub verwandelt waren. Es scheint hieraus hervorzugehen, daß die Waldwolle eine besondere Zähigkeit besizt, die andere ähnliche Stoffe nicht haben.

Auch haben competente Medicinalbehörden gefunden, daß die Waldwolle als Deke die Eigenschaft hat, den Krankheitsstoff nicht fortzupflanzen, während derselbe von den wollenen Deken aufgefaßt und oft denen mitgetheilt wird, die sich ihrer später bedienen. Ferner sind die gesteppten Waldwolldeken sehr reinlich, indem alles Ungeziefer sie meidet; sie lassen sich nebstdem gut waschen. Diese Vorzüge veranlaßten die Medicinalbehörden in Wien und Berlin eine bedeutende Anzahl dieser Deken für die dortigen Hospitäler anzuschaffen. Man fand, daß die Waldwolledeken sich nicht so gut dem Leibe anschmiegen und nicht so warm halten, wie die wollenen Deken. Allein dieß kommt hauptsächlich daher, weil der Ueberzugstoff dieser Deken sehr steif und stark appretirt war. Nach kurzem Gebrauch von 8–10 Tagen war dieser Nachtheil nicht mehr fühlbar. Nach erfolgter Probe nahmen die Hospitäler in Berlin 500 dieser gesteppten Waldwolledeken.

Einige Möbelhändler und Tapezierer von hier (Darmstadt), welchen er die Waldwollemuster gezeigt habe, erklärten, daß sie glaubten, man würde die feinern Sorten mit Vortheil zu feinen Möbeln verwenden können.

Der oben erwähnte Versuch, den die Medicinalbehörden in Berlin und Wien mit der Waldwolle in öffentlichen Hospitälern machten, hat ferner erwiesen, daß der leichte und nicht unangenehme Tannengeruch, den die daraus gefertigten Deken verbreiten, sehr wohlthätig bei vielen Krankheiten, namentlich bei Brustkrankheiten wirkt. Diese Eigenschaft des Tannengeruchs ist schon früher von den Aerzten anerkannt worden. Die Bettdeken von Waldwolle geben ein leichtes Mittel an die Hand, dem Kranken dieses Heilmittel zu verschaffen.

Die Fabrication der Waldwolle gewährt übrigens den Vortheil, daß sie vielen armen Landleuten im Winter Beschäftigung gibt; und solche Beschäftigungen sind für das Land eine Wohlthat. (a. a. O.)

Verfahren grüne Gemüse für den Winter aufzubewahren.

Man bringt z.B. Kernerbsen oder geschnittene Bohnen in runde Töpfe von starkem Weißblech, füllt diese bis einen Finger breit unter die Oeffnung, gießt reines Wasser bis eben dahin und verlöthet sorgfältig den Dekel des Gefäßes. Hierauf werden mehrere derselben in einen Kessel mit Wasser gestellt, das man 1 1/2 bis 2 Stunden lang lebhaft im Sieden erhält. War irgend eine Stelle des Gefäßes nicht gut verlöthet, so wird dieß durch die aus demselben austretenden Luftblasen angezeigt und der Fehler verbessert. Die Töpfe werden nachher in dem Keller bis zum Gebrauche aufbewahrt. Dieses Verfahren gewährt im Winter die Annehmlichkeit des Genusses von grünen Gemüsen, die nach hier (Darmstadt) gemachten Proben von frischen Gemüsen nicht unterschieden wurden. (a. a. O.)