Text-Bild-Ansicht Band 96

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Flüssigkeiten direct auf einander oder indirect auf die wägbare Substanz ausüben.

Was man mittelst des ballistischen Pendels bestimmen kann, ist die Geschwindigkeit des Geschosses, sobald man dessen Masse kennt, so wie die Beschaffenheit des Pendels und die Amplitude der Ablenkung, die es durch den Stoß erfahren hat. Man hat dann vier Größen, die durch einfache, aus den Gesezen der Mechanik hervorgehende Relationen verknüpft sind, und wenn man drei dieser Größen kennt, kann die vierte mit mehr oder weniger Genauigkeit bestimmt werden.

Sicher ist die Analogie zwischen dem ballistischen Pendel und der Magnetnadel sehr unvollkommen, da die auf jenes und diese wirkenden Kräfte ganz verschiedener Natur sind; allein sie ist nicht ohne Nuzen, um einzusehen, welchen Vortheil man aus der Magnetnadel für eine Menge von Untersuchungen ziehen kann, auf welche sie bis jezt noch nicht angewandt ist.

In der That begreift man, daß wenn eine Magnetnadel in Ruhe ist, und ein elektrischer Strom beginnt während einer sehr kurzen Zeit, z.B. während 0,1, oder 0,01 oder 0,001 Secunde lebhaft auf sie zu wirken, aus diesem einzigen und fast plözlichen Impuls eine langsame und regelmäßige Bewegung von bestimmter und vollkommen wahrnehmbarer Amplitude erfolgen könne. Diese Ablenkungsbewegung wird zwar in ihrer Ursache von der des ballistischen Pendels verschieden, aber in ihren Wirkungen sehr analog seyn, denn sie wird, wie diese, in mehr oder weniger rasche Schwingungen übergehen. Im lezteren Fall hängt die anfängliche Ablenkung von der Beschaffenheit des Pendels ab, d.h. von seiner Masse, seiner Länge, seinem Trägheitsmoment etc., dann von der Geschwindigkeit und Masse des Geschosses; und die Schwingungen, die eine Folge derselben sind und durch die Wirkung der Schwerkraft erzeugt werden, hängen ihrerseits von diesem ersten Impulse ab. Bei der Magnetnadel hängt der erste Ausschlag auch von der Beschaffenheit der Nadel ab, d.h. von ihrer wägbaren Masse, ihrer Länge, ihrem Trägheitsmoment, von der Menge und Vertheilung ihres freien Magnetismus, ferner auch von der Intensität des elektrischen Stroms und der Zeit, während welcher er seine Wirkung ausübt; die Oscillationen endlich, die daraus erfolgen und von der erdmagnetischen Kraft erzeugt werden, hängen wieder von diesem ersten Impuls ab. Mithin sind Masse und Geschwindigkeit des Geschosses hier ersezt durch die Intensität des Stroms und die Zeit seiner Wirkung, so wie die Dauer seiner Wirkung aus seiner Intensität abgeleitet werden kann, sobald die relativen Zustände der Nadel vollständig bekannt sind.