Text-Bild-Ansicht Band 96

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Wenn demnach ein elektrischer Strom während einer sehr kurzen Zeit, z.B. während 0,001 oder 0,0001 Secunde, auf eine regelmäßige und mit sich identische Weise wirken, und zugleich durch diese so rasche Wirkung einem paßlichen Magnetstrom einen ersten Impuls, einen etwas langsamen Ausschlag von einer etwas ausgedehnten Amplitude einprägen kann, so wird nichts leichter seyn als Zwischenzeiten mit Genauigkeit zu bestimmen, die nach Tausend- oder Zehntausendtheilen der Secunde zählen. Um solche Messungen mittelst der Magnetnadel auszuführen, kommt demnach Alles auf zwei wesentliche Fragen zurük: welche Zeitgränze hat ein Strom zur Durchlaufung einer gegebenen Kette nöthig? und welche Gränze hat die Weite der Schwingungen, die er dem empfindlichsten magnetischen System einprägen kann?

Die erstere Aufgabe ist in einer von mir im Jahr 1837 der Akademie überreichten Abhandlung, über die Geseze der Intensität elektrischer Ströme, bereits untersucht. Ich habe nachgewiesen, daß der Strom eine Kette von mehreren tausend Metern Länge innerhalb eines Zeitraums von noch nicht 1/7000 Secunde durchläuft, und innerhalb dieses so raschen Augenbliks war es nicht bloß ein Theil der Elektricität, die sich in der Kette äußerte, sondern der gesammte Strom ging mit seiner vollen Intensität durch. Ich weiß nicht, daß seitdem diese Art von Untersuchungen weiter getrieben worden wäre. Ich werde demnach dieß Resultat als Gränze des Bewiesenen ansehen, nicht als Gränze des Möglichen; vielmehr bin ich geneigt zu glauben, daß die Elektricität in einer kürzeren Zeit eine noch bedeutend ausgedehntere Kette durchlaufen kann. Es würde interessant seyn dergleichen Versuche mit Ketten von 3 bis 400,000 Metern, wie man sie zu elektrischen Telegraphen gebraucht, anzustellen. Bei solchen Längen würde man die Gränze der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Elektricität mit viel größerer Leichtigkeit finden, und auch ermitteln, ob diese Gränze von der absoluten Länge der Kette oder dem Grade ihrer Leitungsfähigkeit abhänge.

Die zweite Aufgabe ist nicht durch die erstere gelöst. Daraus daß ein Strom gänzlich innerhalb 1/7000 Secunde durchgeht, und vermöge seiner Wiederkehr in kurzen Intervallen die Magnetnadel der Intensitätsbussole im Gleichgewicht erhält, folgt keineswegs, daß eine einzige dieser Actionen der Nadel eine merkliche und beobachtbare Ablenkung einprägen müsse. Man muß daher einen dieser Stöße isoliren, um dessen Effect kennen zu lernen. Das ist mir folgendermaßen gelungen.

Auf eine Glasscheibe von 84 Centim. Durchmesser ist ein Streifen Zinnfolie von einem Millimeter Breite geklebt, so daß er sich als