Text-Bild-Ansicht Band 96

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Radius vom Umfang zum Mittelpunkt erstrekt; hier steht er in Verbindung mit einem kreisrunden, breiteren Streifen, welcher die Rotationsachse umgibt. Gesezt nun, die Scheibe drehe sich einmal in der Secunde, und die Enden einer elektrischen Kette drüken mittelst einer Feder, das eine in fortwährender Berührung auf den centralen Streifen, das andere auf die Glasscheibe nahe am Umfang. Im Moment, da der Millimeterbreite Streifen unter lezteres tritt, findet Schließung der Kette statt, und die Dauer des Stroms wird genau gleich seyn der Durchgangsdauer des Streifens, d.h. gleich 1/2250 Secunde, wenn man nahe am Umfang berührt, 1/1260 Secunde, wenn es in der Hälfte des Radius geschieht u.s.w.

Macht die Scheibe zwei, drei, vier Umgänge in der Secunde, so erhält man Durchgänge von zwei, drei, viermal geringerer Dauer.

Als ich nun den Versuch machte, fand ich, daß eine gewöhnliche Daniell'sche Batterie von sechs Elementen, in die etwa 40 Meter Kupferdraht von 1 Millimeter eingeschaltet waren, einen so starken Strom gab, daß die von ihm während 1/5000 Secunde ausgeübte Wirkung die Nadel eines wenig empfindlichen Galvanometers um 12° ablenkte. Die Nadel gebrauchte zur Durchlaufung dieses Bozens etwa 10 Secunden; also war die rasche Wirkung zwischen den elektrischen und magnetischen Fluidis, die während 1/5000 Secunde geschah, hier in eine 50,000mal langsamere Bewegung verwandelt worden, sobald sie in die wägbare Substanz der Nadel überging.

Das Galvanometer des Hrn. Melloni besizt eine gegenwärtig allen Physikern bekannte Empfindlichkeit; sie ist verschieden nach den Instrumenten, kann indeß als Vergleichspunkt dienen, sobald es sich nur darum handelt, eine angenäherte Idee von den elektrischen Wirkungen zu geben. Eines dieser Instrumente gab 15° Ablenkung, als man den Strom eines einzigen Daniell'schen Elements, in welches ungefähr 20 Meter Kupferdraht von 1 Millimeter Dike eingeschaltet war, während 1/5000 Secunde auf dasselbe wirken ließ. Mit diesem Instrument kann man also ohne Mühe ein Zehntausendstel einer Secunde wahrnehmen.

Begreiflich hat man hier zu bestimmen, nach welchen Gesezen die Ausschlagsweite in demselben Instrument mit der Stromstärke und der Berührungsdauer variire; diese Geseze lassen sich aus verschiedenen theoretischen Betrachtungen herleiten; jedoch ist es nöthig sie durch genaue Versuche zu prüfen. Unterdeß habe ich mich begnügt, das von mir angewandte Instrument empirisch zu graduiren, d.h. eine Tafel zu entwerfen, die die Ausschläge desselben unter Einfluß eines bekannten Stroms von bestimmter Dauer angibt. Ist diese Graduirung einmal gemacht, so wird das Galvanometer gleichsam