Text-Bild-Ansicht Band 96

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veranlassen können; wirklich lösen manchmal schlecht gesättigte Lösungen Oxyde auf und enthalten dann der Gesundheit mehr oder weniger nachtheilige Metallsalze. Diese Uebelstände scheinen uns vermieden werden zu können, indem man sich statt der Schwefelsaure des Diastas bediente, welches in der gekeimten Gerste enthalten ist. Der mittelst Diastas bereitete Stärkmehlsyrup ist nämlich frei von jeder fremdartigen Substanz, welche durch die Säure oder Kreide hätte hineinkommen können; er eignet sich daher viel besser als der bisherige zur Bereitung von Vier (!), Essig etc. Durch Eindiken desselben konnten bisher im Großen weder spröde, also pulverisirbare Massen erhalten, noch eine Körnung erreicht werden, wodurch er zum Vermengen mit Farinzuker oder gepulvertem Zuker tauglich würde.

Dieses Verfahren würde der Gerste großen Absaz sichern und dem Kartoffelbau die erworbene Ausdehnung erhalten, und verdient daher im Interesse des Akerbaues, der öffentlichen Gesundheit und der Sicherheit des Handelsverkehrs alle Berüksichtigung.

LXXXII.  Miszellen.

Ueber die Eisenschienen-Erzeugung.

Die deutsche Eisenindustrie hat ihren Siz größtentheils im Rheinlande und in Westphalen, außerdem noch in Schlesien. Was die Natur in dieser Hinsicht für die Gegenden an der Sieg, Eber und Kahn gethan, übertrifft alles was man anderwärts findet. Der Eisenstein, welcher in den ebengenannten Gegenden gefördert wird, ist von solcher Reichhaltigkeit, das Eisen von solcher Güte, daß vielleicht nirgendwo anders gleich vortreffliches Material sich darstellen läßt. Nur ist der großen Kosten der Brennstoffe wegen die Förderung weit geringer als sie seyn könnte, und wie es thatsächlich ist, daß Eisensteine als solche von der Lahn nach Straßburg und nach Basel transportirt werden, statt daß man in der Nähe ihrer Förderung das Eisen daraus gewinnt, so ist es auch gewiß, daß bei den reichen Lagern zwischen Rhein, Sieg und Lahn das Quantum der jährlichen Förderung verzehnfacht, ja bis zu einem Ungeheuern Betrag erhöht werden könnte, ohne eine Erschöpfung in Jahrhunderten besorgen zu müssen. Die zwekmäßige Benuzung dieser Schäze ist zu allen Zeiten ein würdiger Gegenstand der Aufmerksamkeit der Behörden und des Publicums: in der Gegenwart hat sie ein besonderes Interesse, welches künftig eine stets zunehmende Wichtigkeit gewinnen muß. Die gegenwärtig im Bau begriffenen oder zum Bau bestimmten Eisenbahnstreken im Zollvereinsgebiete sind auf eine Gesammtlänge von 340 geographischen Meilen anzuschlagen. Ein großer Theil derselben wird ihrer Bedeutung für den Welthandel wegen doppelte Schienen erhalten müssen. Der Bedarf an Schienen, Schienenplatten und Nageln für diese Bahnen (1 Fuß Schienenlange kann nicht wohl unter 18 Pfd. angenommen werden) berechnet sich zu 15,000 Cntr. die Meile, also im Ganzen auf 5,100,000 Cntr., mithin im Geldwerthe von 40 Mill. Gulden, wenn man durchschnittlich den Cntr. auf 8 Gulden anschlagt. Die Bauzeit für die Bahnen, welche hier ins Auge gefaßt worden, ist auf 5–6 Jahre festgesezt, also ein jährlicher Schienenbedarf von etwa 1 Millionen Cntr. zu diesen Neubauten zu erwarten. Das Eisenbahnnez, welches das Zollvereinsgebiet