Text-Bild-Ansicht Band 96

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CXI. Praktische Bemerkungen zur Daguerreotypie; von E. Knorr.

Aus Poggendorff's Annalen, 1845, Nr. 5.

Im vergangenen Frühjahr beabsichtigte ich einige wissenschaftliche Versuche mit Hülfe des Daguerreotyps anzustellen, es zeigte sich aber, daß meine sämmtlichen Apparate zu den von mir beabsichtigten Versuchen nicht ganz geeignet waren, sondern mehrfacher kleiner Veränderungen bedurften; auch fand ich es nöthig mich vorher im Gebrauch der beschleunigenden Substanzen hinreichend zu üben, mit denen ich nur einige wenige vorläufige Versuche angestellt hatte. Mit lezterer Arbeit ist jedoch die Zeit vorübergegangen, welche ich diesem Gegenstand widmen konnte, und ich bin daher zu nichts anderem als einigen praktischen Bemerkungen gelangt, die ich mir erlaube hier mitzutheilen, obgleich sie zum Theil auch solchen Personen, welche sich mehrfach mit diesem Gegenstand beschäftigt haben, nicht fremd seyn mögen, jedoch, wie es scheint, nicht allgemein bekannt geworden sind.

Was meine jezigen Apparate anbetrifft, so sind dieselben von einer gewöhnlichen Viertelplatte an bis zu jeder beliebigen Kleinheit der Platte brauchbar, und haben vor anderen mir bekannten, namentlich den gewöhnlichen französischen und den Voigtländer'schen, folgende Vorzüge:

1) Die Camera obscura kann mit Leichtigkeit in jede beliebige Lage gebracht, in derselben festgestellt und auf den Gegenstand eingestellt werden.

2) Das Einsezen der Platten in den Rahmen und in der Camera obscura ist leichter und schneller als bei anderen mir bekannten Constructionen.

3) Die Operationen des Jodirens und Bromirens können außerhalb des Zimmers im Freien vorgenommen werden, ohne daß man weder hiebei, noch bei dem Einsezen und Herausnehmen der Platten aus der Camera einen Nachtheil durch secundären Einfluß des Lichts zu fürchten hätte. Dieß zeigte sich besonders bei dem Gebrauch beschleunigender Substanzen wichtig.

4) Während sich die Platte in der Camera obscura unter der Wirkung des Lichts befindet, kann zu jeder beliebigen Zeit ein vom Rande der Platte beginnender horizontaler oder verticaler Abschnitt derselben maskirt werden, was besonders bei Landschaften wichtig ist, wenn der Himmel sich sehr erleuchtet zeigt.