Text-Bild-Ansicht Band 96

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Als Objectiv habe ich mich vorzugsweise eines achromatischen Doppelobjectivs nach Petzwal's Construction von Soleil in Paris bedient; dasselbe ist ausgezeichnet schön, jedoch schien mir, als wenn ein dergleichen Objectiv von Voigtländer und Sohn in Wien das meinige an Lichtstärke und Reinheit der Bilder noch etwas überträfe, ich habe aber nicht Gelegenheit gehabt beide Objective direct zu vergleichen.

Bei Abbildung von Gegenständen, die sich auf einen gleichmäßig beleuchteten Hintergrund projiciren, kann man die Schnelligkeit der Wirkung dadurch bedeutend erhöhen, daß man sich einer Camera obscura bedient, deren Kasten hinreichend klein ist im Verhältniß zum Felde des Objectivs, um diejenigen Strahlen, welche nicht zur Erzeugung des Bildes benuzt werden sollen, als fortwirkende in Anwendung zu bringen. Ich habe dieses Mittel nur mit einer Camera obscura versucht, deren Kasten vierekig war, besser ist wohl unstreitig die cylindrische Form. Man kann hierdurch zugleich theilweise einen Fehler corrigiren, der sich wenigstens bei meinem Objective oft sehr stark bemerkbar machte, nämlich daß die mittleren Theile des Bildes bei etwas scharfer Beleuchtung sich in derselben Zeit weit stärker entwikelten, als die mehr nach dem Rand der Platte hin gelegenen. Ich fand hier ein gelbes, nicht geglättetes Papier, welches die Eigenschaft hatte, daß es im schärfsten directen Sonnenlicht auf einer jodirten und bromirten Platte, auf welche noch keine Lichtwirkung stattgefunden hatte, keine Spur einer Wirkung zeigte, in einer Zeit, welche 60mal größer war als diejenige, in welcher weißes Postpapier sich vollkommen abgebildet hatte; mit diesem Papier legte ich das Innere der erwähnten kleinen Camera obscura aus, um die angegebene Wirkung zu erhalten. Eine solche Camera obscura ist aber ohne innere Diaphragmen nicht brauchbar für sehr ungleich beleuchtete Gegenstände, wie z.B. für Landschaften, die stark von der Sonne beschienen sind. Für lezten Fall habe ich ein Paar glükliche Versuche auf folgende Weise gemacht. Nachdem die bromirte Platte eine kurze Zeit der Wirkung des Lichts in der Camera obscura ausgesezt worden war, jedoch nicht hinreichend lange, um ein vollendetes Bild zu erhalten, drehte ich die Camera obscura gegen einen Schirm von demselben gelben Papier, und ließ nun die Platte noch einige Zeit unter der Wirkung der reflectirten gelben Strahlen. Diese Versuche wurden zunächst nur beiläufig gemacht, um später darauf zurükzukommen, was mir aber nicht möglich war; ich kann daher nicht behaupten, daß diese Methode praktisch wirklich brauchbar sey; man sieht aber, daß sie im Wesentlichen auf demselben Princip beruht, als der Gebrauch der farbigen Gläser.