Text-Bild-Ansicht Band 96

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anzuwenden, der Spiritus ist aber hier ziemlich theuer, deßhalb benuzte ich lezteren Sammt nur, wo er unumgänglich nöthig erschien.

Seidensammt Nr. 2 ist eben so gereinigt wie Baumwollensammt; er ist entbehrlich, wenn man nicht die Mittel benuzt, um die Dike der empfindlichen Schicht zu erhöhen, von denen in der Folge die Rede seyn wird.

Es ist gut Tripel, Roth oder Knochen von Zeit zu Zeit auszutroknen, wozu ich mich immer eines flachen kupfernen Gefäßes und einer Berzelius'schen Lampe bediente, es ist aber dabei keineswegs nöthig die Erhizung sehr weit zu treiben, z.B. bis zum Glühen des Tripels. Nach dem Erkalten zerreibt man diese Substanzen wieder in einem Mörser von Gußeisen. Es ist keineswegs ganz gleichgültig, ob man sich zum lezten Schleifen und Poliren des Roths oder der Knochen bedient, denn diese Substanzen haben Einfluß auf den Ton des Bildes. Unter sonst möglichst gleichen Umständen haben die Bilder auf Platten, die mit Knochen geschliffen wurden, einen mehr weißlichen Ton, als auf solchen die mit Roth behandelt wurden; ich ziehe das Roth vor, obgleich es mir mehrfach geschienen hat, als wenn die mit Knochen behandelten Platten etwas empfindlicher wären.

Hat man schon einige Uebung im Schleifen und Poliren der Platten, so geht diese Operation nach der hier angegebenen Weise ziemlich leicht und schnell vor sich, ich muß aber doch bemerken, daß man ohne Lehrer sich hierin nur mit Mühe die gehörige Sicherheit erwirbt. Wenn man aber schon noch so geübt ist und mit aller Sorgfalt zu Werke geht, so mißlingen dennoch zuweilen die Versuche ununterbrochen gänzlich. Daß dieß in einer krankhaften Ausdünstung der Hand liegen kann, wodurch bei dem lezten Poliren der Platte ein secundärer nachtheiliger Einfluß auf dieselbe ausgeübt wird, davon habe ich folgendes Beispiel. Nach einem heftigen Kolikanfall, den ich mir, wie es schien, durch unvorsichtiges Einschluken von Bromdämpfen zugezogen hatte, konnte ich mehrere Tage lang durchaus kein gutes Bild erhalten. Es arbeiteten zu dieser Zeit zwei Personen mit mir, welche selbst eingestanden, daß sie weniger sorgfältig als ich mit der Bereitung der Platten zu Werke gingen. Es wurden stets drei Versuche unmittelbar hinter einander gemacht, so daß alles möglichst gleich war, und nur der Unterschied stattfand, daß die Platten von verschiedenen Personen geschliffen und polirt worden waren; auf allen von mir polirten Platten waren die Bilder stets unrein und verschleiert, während auf den Platten meiner Mitarbeiter fast ohne Ausnahme, stets gute Bilder erhalten wurden. Ich war zulezt gezwungen alle meine Platten einem meiner Gehülfen zur