Text-Bild-Ansicht Band 96

Bild:
<< vorherige Seite

Vollendung zu übergeben, und erst nach acht Tagen war dieß nicht mehr nöthig. Ob die Platte gehörig gereinigt ist, prüft man leicht durch den Hauch; es ist aber immer gut nach dem Verschwinden des Hauchs die Platte leicht mit troknem Sammt Nr. 2 zu übergehen. Den Sammt schlägt man entweder um einen Baumwollenballen, oder man verfertigt sich Cylinder von Filz oder Tuch, um deren untere Fläche man einige Stüke Sammt bindet, um dieselbe weicher zu machen; das zum Poliren bestimmte Stükchen Sammt legt man dann mit der weichen Seite lose auf die Platte und sezt den Cylinder mit der weichen Fläche auf dasselbe.

2) Absieden der Platten.

Daguerre hat bekanntlich vorgeschlagen, die Platten nach Vollendung der Politur noch mit destillirtem Wasser abzusieden; was man auch dagegen gesagt haben mag, dieser Vorschlag ist wohl begründet. Nur auf solchen Platten ist es mir gelungen zu dem Maximum der Empfindlichkeit zu kommen, und z.B. das Bild eines Menschen im Gange zu erhalten, wie er eben den Fuß zum Schritt hat. Das von Daguerre angegebene Verfahren ist aber praktisch nicht brauchbar, denn es gelingt zu selten auf diese Weise, selbst mit Anwendung des reinsten Wassers, eine reine Platte zu erhalten; man braucht eine solche Platte nach dem Erkalten nur zu behauchen, um zu sehen, daß eine Menge Fleken zurükgeblieben sind, welche dann der Reinheit des Bildes nachtheilig werden. Durch folgendes praktisch leicht ausführbares Verfahren gelangt man ohne Nachtheil zu demselben Ziel. Man nehme ein Gefäß von Messing oder Kupferblech mit ebenem Boden, welches nur etwas weniges breiter als die abzusiedende Platte zu seyn braucht, jedoch wenigstens 1/2 Zoll länger als dieselbe, und 1/2 Zoll hoch seyn muß; dasselbe muß an der einen langen Seite mit einem hölzernen Griff versehen seyn, oder doch wenigstens einen Henkel haben, so daß man es mit einer Zange fassen und in horizontaler Richtung hin- und herbewegen kann. In dieses Gefäß legt man die zuvor gehörig geschliffene und polirte Platte, gießt reines destillirtes Wasser darüber, ungefähr bis zu 2/3 der Höhe des Gefäßes, und bringt nun das Wasser über einer Berzelius'schen Lampe zum Sieden, indem man das Gefäß langsam über der Lampe hin- und herbewegt. Selbst wenn man frisch ausgekochtes Wasser anwendet, wird man doch sehen, daß sich eine Menge Luftblasen von der Oberfläche der Platten entwikeln, welche man durch Hin- und Herschütteln der Platte im Gefäß von derselben trennen muß; hat die Entwiklung der Luftblasen aufgehört, so läßt man das Wasser noch einige Secunden fortsieden, gießt dann dasselbe