Text-Bild-Ansicht Band 96

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40–50 Theilen destillirtem Wasser, und mit Tripel und Baumwolle, um die Goldschicht wegzunehmen und das Bild zu vernichten; hierauf behandle man sie wie neue Platten. Das gesäuerte Fett kann entbehrt werden, doch thut man auch hier besser es anzuwenden.

4) Jodiren.

Was das Jodiren der Platten betrifft, so bin ich zulezt wieder zu dem Apparat von Seguier zurükgekehrt, den ich bis jezt noch für den besten und bequemsten gefunden habe; derselbe besteht bekanntlich aus einem hölzernen Kasten, auf dessen Boden das trokne Jod gestreut wird; über dieses kommt ein Kissen aus Baumwolle und dann eine Pappscheibe in einem Rahmen und die Joddämpfe werden von der Pappe auf die Platte übergetragen. Hier scheint sich nun allerdings das Jod zuweilen auf der Pappe zu zersezen (?), besonders wenn nicht mehr hinreichendes Jod im Kasten ist; man kann aber diesen Uebelstand leicht dadurch vermeiden, daß man öfter frisches Jod nachstreut, und von Zeit zu Zeit, z.B. alle acht Tage, einige Tropfen einer concentrirten Auflösung von Jod in Schwefeläther auf den Boden des Kastens gießt, ihn einige Minuten verschließt und dann denselben eine halbe Stunde lang öffnet. Mit welchen besonderen Umständen aber zuweilen der Photograph zu kämpfen hat, davon gewährte auch dieser Apparat ein besonderes Beispiel. Im physikalischen Cabinet der Universität hat sich nämlich eine kleine Art von Ameisen eingenistet, welche vor 10–12 Jahren mit Zuker hier eingeführt worden seyn soll, und sich schnell über einen großen Theil der Stadt verbreitet hat; vor 8 Jahren waren diese lästigen Gäste mir noch ganz unbekannt. Diese Thiere scheinen fortwährend ihre Spione nach allen Richtungen hin auszusenden, denn sie finden in wenig Minuten alles auf, was ihnen zur Nahrung dienen kann, und da sie durch die feinsten Rizen dringen, so sind nur solche Dinge vor ihnen sicher, die in luftdicht verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden; Bromwasser und Jod lieben sie sehr, aber nur lezteres ist für sie tödtlich, Schwefeläther meiden sie. Es zeigte sich nun mehrere Tage hindurch, daß alle Lichtbilder, die ich erhielt, mit einem leichten eigenthümlichen, glänzenden Schleier überzogen waren, der durchaus keinem Verfahren weichen wollte, und es ergab sich endlich, daß die Ursache dieser Erscheinung nur im Jodirapparat liegen könne. Als ich diesen Apparat näher untersuchte und das Baumwollenkissen herausnahm, fanden sich auf dem Boden des Kastens eine Menge Ueberreste von Ameisen, jedoch nur Köpfe und die äußersten Enden der Füße, alle übrigen Theile waren zerstört. Ich lüftete den Jodkasten einige Stunden und gebrauchte nun zum