Text-Bild-Ansicht Band 96

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kann man aber der Unsicherheit bei der Bereitung des Bromwassers entgehen, die aus einem Bleichen einer Normallösung entspringen würde. Man nehme zwei vierekige geschliffene Fläschchen von recht klarem Glas, und von möglichst gleicher Größe, Reinheit und Dike des Glases (die meinigen hatten 1 1/2 Zoll Länge und 1 Zoll Breite), nehme ein Stük feines weißes Postpapier, etwas breiter als die schmale Fläche des Glases, lege es glatt auf leztere, und klebe die überstehenden Ränder an den breiten Flächen des Glases fest; dieß Glas fülle man mit einer Normallösung von verdünntem Bromwasser, das andere Glas aber fülle man mit destillirtem Wasser. Durch eine Auflösung von gummi guttae suche man nun einem Blatt Papier von derselben Sorte als das vorige eine Farbe zu geben, so daß das Papier mit der gefärbten Fläche an die schmale Fläche des lezteren Glases gehalten und, durch das Wasser gesehen, möglichst gleiche Färbung zeigt mit dem weißen Papier durch das Bromwasser gesehen. Ist man dahin gelangt, so klebe man ein gleiches Stük gefärbten Papiers mit der gefärbten Fläche auf das zweite Fläschchen, wie früher das weiße Papier auf das erste Fläschchen. Das erste Fläschchen gebraucht man dann zur Verfertigung des verdünnten Bromwassers, und das zweite gibt die Normalfarbe.

Nach dem gewöhnlichen Verfahren jodirt man erst die Platten, und sezt sie dann den Bromdämpfen aus. Auf diesem Weg habe ich aber nicht das Maximum der Empfindlichkeit erreichen können; dieß gelang auf abgesottenen Platten nur durch doppeltes Bromiren, weil bei einfachem Bromiren die Jodschicht, wie es scheint, sich nicht in ihrer ganzen Dike gleichförmig mit Brom durchzieht. Wenn für das einfache Bromiren man nicht über 40–45 Secunden hinausgehen durfte, ohne einen Bromschleier zu erhalten, so zeigte sich für das doppelte folgende Regel.

Die Summe der Zeit beider Bromirungen ist gleich 1 1/2 der Zeit der einfachen Bromirung. Es zeigte sich dabei gleich, ob ich die abgekochten Platten 20 Secunden vor dem Jodiren und 40 Secunden nachher, oder 30 Secunden vorher und 30 Secunden nachher bromirte.

Die Beobachtung aller vorhergehenden Vorsichtsmaaßregeln gewährt aber nur größere Sicherheit des Erfolgs für neue Platten, oder für solche, welche nicht vergoldet waren; für Platten, welche mit Fizeau's Goldlösung behandelt worden sind, helfen alle Vorsichten wenig, und bleibt ein glüklicher Erfolg reiner Zufall. Die Silberschicht der Platten wird bis zu einer gewissen Tiefe durch die