Text-Bild-Ansicht Band 96

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Vergoldung verändert, und diese Tiefe ist keineswegs constant; auch ist es unmöglich zu wissen, in welchem Zustand sich gerade diejenige Schicht befindet, bis zu welcher man durch das Schleifen einer vergoldeten Platte gekommen ist. Ein gut gelungenes Bild auf einer früher vergoldeten Platte ist in der Regel schöner als ein gut gelungenes Bild auf einer neuen Platte; allein deßhalb die Platte vorher vergolden wollen, scheint nicht rathsam.

Daguerre gibt an, daß eine vergoldete Platte eben so vielmal länger bromirt werden kann, als sie oft vergoldet wurde, ohne einen Bromschleier zu geben; ich kann dieß nach meinen Versuchen nicht bestätigen. Im Allgemeinen kann ich nur sagen, daß eine früher vergoldete Platte bei gleicher Politur, Jodirung und Bromirung, unempfindlicher ist als eine neue, und daß sie länger bromirt werden muß, um ihr einen gleichen Grad von Empfindlichkeit zu ertheilen. Um wie viel aber die Bromirung verstärkt werden muß, darüber wird sich schwerlich je ein allgemeines Gesez geben lassen.

Außer dem verdünnten Bromwasser habe ich mehrere andere Methoden der Anwendung des Broms versucht, sie haben aber alle mehr oder weniger Uebelstände; nur die Anwendung der troknen Verbindung des Broms mit dem Jod möchte ich empfehlen, denn mit Hülfe derselben habe ich die schönsten Resultate erhalten. Diese Verbindung ist nur leider nicht ganz beständig, denn das Brom verdunstet etwas schneller als das Jod, wodurch das Verfahren unsicher wird, auch ist sie ohne einen etwas complicirten Apparat nicht wohl anwendbar; jedoch kann der im Folgenden zu beschreibende Apparat auch für das trokne Bromjod benuzt werden. Am besten ist mir die Anwendung dieser Substanz auf folgende Weise gelungen. Man verfertige sich zunächst Bromjod, indem man fein zertheiltes Jod in Brom schüttet, so lange bis alles Brom vom Jod gebunden ist; oder umgekehrt, man tröpfle Brom allmählich auf Jod, so lange bis kein Brom vom Jod mehr gebunden wird; hierauf nehme man mit einem kleinen Glaslöffel etwas Bromjod und löse es in etwas Schwefeläther, so daß man eine gesättigte Lösung dieser Substanz erhält. Man nehme nun ein Glas- oder Porzellangefäß, am besten von cylindrischer Form, welches wenigstens 2 1/2 Zoll hoch seyn muß; der Boden desselben muß recht eben und der obere Rand genau abgeschliffen seyn, so daß das Gefäß durch eine geschliffene undurchsichtige Glasplatte gut geschlossen werden kann. Ist das Gefäß von Glas, so muß man es mit schwarzem Papier überziehen, um alles Licht abzuhalten. In dieses Gefäß lege man recht gleichmäßig dik lokere Baumwolle, welche aber wenigstens 1 Zoll unter dem Rand des Gefäßes bleiben muß; ein höheres Gefäß und größerer Abstand