Text-Bild-Ansicht Band 96

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Bilder eines Gebäudes, in denen der Himmel schwach blau, die Kuppel des Gebäudes graugrün, die Säulen weiß, die Hinterwände gelb waren. Sämmtliche Farben entsprachen denen der Natur, aber nur das Gelb war eben so stark und ganz der Farbe der Wände entsprechend; das Bild erschien, als wenn es schwach illuminirt wäre. Ich überzeugte mich aber bald, daß wenn auch wirklich die natürlichen Farben der Körper hiebei nicht ganz ohne Einfluß waren, das Wesentliche doch eigentlich in der Stärke des reflectirten Lichts liege, weil mit dieser auch die Farbentinten wechselten, so daß z.B. stärker beschattete weiße Gegenstände sich schwach röthlich oder orange gefärbt zeigten. Durch allmählichen Zusaz einer verdünnten Lösung von Platinchlorid kann man nun diese erwähnten Färbungen tilgen, so daß man zulezt höchstens ein schwaches Kirschroth behält, welches nur in sehr schräger Lage des Auges gegen die Platte bemerkbar ist. Zu viel Platin macht die Bilder grau. Wie gesagt, hat man es hier fast mit homöopathischen Wirkungen zu thun; deßhalb mag wohl auch die Beschaffenheit der Materialien nicht ohne Einfluß seyn, doch habe ich darüber keine directen Erfahrungen. Was meine Materialien anbetrifft, so habe ich bei Anwendung der Chloride folgendes Gemisch für das beste gefunden; man löse

1) 1 Theil Queksilberchlorid (Aezsublimat) in 1400
Theilen Wasser,
2) 1 Theil Chlorgold in 500 Theilen Wasser,
3) 1 Theil Platinchlorid in 4000 Theilen Wasser
dem
Gewicht
nach.

Dieß sind auch die von Hrn. Daguerre gebrauchten Lösungen.

Dann nehme man

von Nr. 1 1 Th.; von Nr. 2 10 Th.; von Nr. 3 4 Th. dem Volumen nach,

und verdünne diese 15 Th. noch mit eben so viel Wasser. Man schüze dieses Gemisch vor starker Einwirkung des Tageslichts, denn es färbt sich darin allmählich schwach violett und wirkt dann nicht mehr so gut. Ungeübte Personen können noch eine stärkere Verdünnung, selbst bis zu 30 Th. Wasser nehmen, man muß dann aber die Platte wenigstens dreimal überschleifen. Die zulezt angegebenen Verhältnisse, welche für meine Materialien die besten waren, können sich mit der Beschaffenheit der Substanzen wohl etwas ändern; es kann aber für jeden Operateur nicht schwer seyn, dieselben mit Rüksicht auf das oben Gesagte für seine Materialien zu modificiren. Das Gemisch muß überhaupt so weit verdünnt werden, daß es die Silberplatten nur kaum bemerkbar angreift; sobald es noch bemerkbar äzt, hat man noch Wasser zuzusezen. Eine Platte, die nun schon so weit geschliffen ist, wie oben angegeben, überschleift man noch