Text-Bild-Ansicht Band 97

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doch seine Berührung noch eine Zeit lang fortdauerte, welche mehreremale einem bedeutenden Bruchtheil einer Secunde gleichkam. Die Dauer dieser Adhärenz nahm mit der Kraft des elektrischen Stromes und der Schwäche der Reactionsfeder zu. Um sie auf ein Minimum zu reduciren, mußte man sich eines sehr schwachen Stromes bedienen und den Widerstand der Leitung Verstärken, bis die Anziehungskraft des Magnets so vermindert war, daß sie die Reactionskraft der Feder nur um ein sehr Geringes übertraf; allein dann hatte der Magnet nicht mehr die nöthige Kraft, um das Eisen anzuziehen, wenn das Projectil das Ziel traf. Auf folgende Weise jedoch besiegte ich diese Schwierigkeit. Ich führte die Leitungsdrähte so daß, ehe die Kugel aus der Kanone geschleudert wurde, nur der Strom eines einzigen Elementes von sehr kleinen Dimensionen, welcher mittelst des zwischen die Leitung eingeschalteten Rheostats23) auf den geeigneten Grad reducirt wurde, auf den Elektromagnet wirkte; wenn aber die Kugel am Ziele anlangte, wirkten gleichzeitig sechs Elemente, ohne den Widerstand des Rheostats, auf den Magnet. Allein auch bei diesen Vorsichtsmaaßregeln geht noch immer etwas Zeit verloren, sowohl während der Anziehung des Eisens durch den Magnet, als während seiner Adhärenz, nachdem der Strom aufgehört hat. Die Differenz dieser beiden Fehler würde Annäherungen von 1/500 oder 1/1000 Secunde ganz unsicher machen. Doch kann der aus dieser Quelle entspringende Fehler sich leicht auf weniger als 1/60 oder 1/100 Secunde reduciren und, wie ich glaube, ist ein Chronoskop, welches die Secunde in 60 Theile theilt und erweislich niemals einen, eine einzige dieser Abtheilungen überschreitenden Fehler gibt, einem Instrumente vorzuziehen, welches zwar mehr Abtheilungen darbietet, aber Fehler zuläßt, die eine hübsche Anzahl dieser Abtheilungen einschließen. Von diesen Erfahrungen geleitet, versuchte ich ein sehr einfaches und wirksames Chronoskop zu construiren. Eine sehr einfache Hemmung wurde durch ein Gewicht in Bewegung gesezt, welches an dem Ende eines Fadens aufgehängt war, der über einem Schraubengewinde lief, welches in einem auf der Achse eines Hemmungsrades befestigten Cylinder ausgeschnitten war. Auf dieser Achse war auch ein Zeiger angebracht, welcher folglich bei jeder Hemmung um eine Abtheilung weiterrükte. Wenn es nöthig war, die Zeit des Versuchs zu verlängern, so wurden das Hemmungsrad und der Cylinder auf andere Achsen gesezt und ihr Eingreifen durch ein Rad und ein Getriebe

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Die Erklärung dieses Instruments befindet sich in meiner Beschreibung mehrerer Instrumente und Verfahrungsweisen zur Bestimmung der Constanten einer galvanischen Kette in den Philosophical Transactions von 1843 Bd. II.