Text-Bild-Ansicht Band 97

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hervorging daß die Metallsalze von den aufsaugenden Gefäßen der Pflanzen nicht absorbirt und in sie eingeführt werden, mußte ich vor allem meine Versuche, namentlich hinsichtlich des Getreides, wiederholen und ausdehnen.

Ich kalkte zu diesem Behuf Getreide auf mehrerlei Weise 1) mit Kalk und arseniger Säure; 2) mit Alaun und arseniger Säure; 3) mit arseniger Säure allein; ferner vermengte ich ein Erdreich, in welches nachher Getreide gesäet wurde, stark mit Arsenik; endlich begoß ich kräftige Getreidepflanzen, welche im Februar 1824 in Kästen umgesezt wurden, die ganze Jahreszeit hindurch mit Wasser, welches 1/250 weißen Arsenik enthielt. Ich erhielt folgende Resultate:

Das auf eine oder die andere Weise gekalkte Getreide enthielt gar keinen Arsenik, weder in den Körnern, noch in Yen von den Körnern befreiten Aehren, noch in dem 1–1 1/2 Zoll über dem Boden abgeschnittenen Halm, noch in den Blättern, sowohl vor als nach der vollen Reife. In der Wurzel allein fand ich vor und nach der Reife eine sehr kleine Quantität Arsenik und auch da rührt er vielleicht weniger von der Aufsaugung her, als von dem bißchen Erde, welche der Wurzelstok troz des Auswaschens immer zurükhält und die durch Berührung mit dem gekalkten Saatkorn arsenikhaltig geworden seyn kann.

Angenommen aber auch, es werde Arsenik absorbirt, wie viel könnte dieß seyn? Wenn man 50 Gramme Arsenik zum Kalten eines Hektoliters Getreide rechnet, welches etwa 1,400,000 Körner enthält (gewöhnlich aber nimmt man nur 30 Gramme), so haften an einem Samenkorn 0,0006 Gran. Löst sich dieser (im Handel selten rein vorkommende) Arsenik am Fuß der Pflanze nicht vollkommen auf, so wird das von der Wurzel Absorbirte auf 1 oder 2 Hunderttausendstel Gramme reducirt. Könnte aber auch alles Aufgelöste wirklich absorbirt werden? Gewiß nicht, wenn man nicht annehmen wollte, daß bei der Reife der Pflanze ihr Boden bloß eine träge Erde ist. Es wird mithin nicht über 1 Milliontheil eines Gramm Arsenik absorbirt. Ist zu erwarten, daß dieser aufgesaugt und im Wurzelstok, in 4–5 Stengeln, vielen Blättern und einer großen Anzahl von Körnern verbreitet, den Brand im Getreide zu verhüten im Stande sey?

Das in dem stark mit Arsenik vermengten Erdreich gebaute Getreide enthielt solchen in dem Wurzelstok, sowohl vor als nach der Ernte; die Wurzelblatter enthielten davon weniger, die Stengelblätter und Halme keinen; in der Aehre und dem Korn war durchaus kein Arsenik zu entdeken.