Text-Bild-Ansicht Band 97

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welchen ein kleiner Blutegel in einen mittlern und ein mittlerer in einen erster Gattung verwandelt wird, zu welchem Zwek man sie mit Blut voll saugen läßt, um sie schwerer und größer zu machen.

Seit 20 Jahren wurde Paris zum Mittelpunkt des Blutegelhandels, und die Kaufleute, welche sich mit demselben befassen, haben ihre Hauptetablissements in dieser Stadt.

Der Handel nahm aber eine andere Gestaltung an. Früher wurden alle Blutegel nach Paris geführt; jezt wird der ankommenden Waare der Weg abgelaufen, indem man gegen Baarzahlung den ungarischen, wallachischen oder türkischen Handelsleuten die von ihnen gebrachten Blutegel abkauft und die Waare steht in mehr oder minder hohem Preis, je nachdem sich mehr oder weniger Käufer einstellen; manchmal veranlassen sogar die nicht unter einander verstandenen Käufer ein Steigen des Preises.

Viele Blutegel werden schon an der Gränze, bei Kehl im Großherzogthum Baden, verkauft. Es kommen auch Blutegel aus Griechenland über Trieft; diese werden von Slavoniern und Levantefahrern gebracht und kommen mit Dampfschiffen oder den im Lande gebräuchlichen Barken.79)

Um Blutegelhandel zu treiben, muß man großen Geldvorrath haben und einen Verlust nicht fürchten; sollte ein solcher eintreten, so muß er durch den Gewinn bei einer andern Operation gedekt werden. Der Blutegelhandel, wie er jezt betrieben wird, könnte gewissermaßen dem Börsenspiel gleichgestellt werden; denn notorisch ist das Fallen und Steigen ihres Preises, je nach Umständen, ein gemachtes.

Die Blutegelfischer verrichten ihr Geschäft mechanisch und nehmen, statt die Faden-Blutegel (filets), welche zur Fortpflanzung der Blutegel dienlich wären, in den Teichen zu lassen, alles, was sie finden; sie verfahren gedankenlos, indem sie sich die Hoffnung auf ihren Fang in künftigen Jahren mit herausfangen.80)

Sind die Blutegel gefangen, so stekt man sie in mehr oder weniger große Säke; diese Säke, wovon einer gefüllt ungefähr 3 1/2 Kilogr. wiegt, kommen in hängende Pakwägen (Fourgons), welche gehörig eingerichtet, 100 bis 120 Säke aufnehmen. Man läßt sie dann mit Post abgehen und nicht anhalten, bis zur Gränze.

79)

Die Blutegel zahlen (in Frankreich) 1 Fr Eingangszoll per 1000 Stük.

80)

Wir wissen nicht, wem die Sümpfe gehören, in welchen die nach Frankreich eingeführten Blutegel gefischt werden; wem sie aber auch gehören mögen, einem Staat oder Individuum, so wäre es wünschenswerth,daß der Blutegelfang geregelt würde, woraus unsäglicher Vortheil entspränge für den Fänger, den Besizer, so wie für die Aerzte und Kranken, die der Blutegel bedürfen.