Text-Bild-Ansicht Band 97

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auffallend in die Länge gezogener Gestalt, ist so elastisch, daß er ausgedehnt und wie ein Band um den Finger gewikelt werden kann; seiner ganzen Länge nach kann er zusammengedrükt werden; durch einen starken Druk vom Kopf an gegen den Schwanz soll er kein Blut von sich geben, und sollte er auch eine sehr kleine Menge von sich lassen, was bei großen Sumpfblutegeln manchmal der Fall ist, so ist dieses Blut statt roth, wie das der mit Blut gefütterten Blutegel, klebrig und grünlichschwarz.

Der vollgesogene Blutegel hat keinen so in die Länge gezogenen Körper als der obige, und nimmt gerne die Gestalt einer Olive an; im Wasser erscheint er oft wie erstarrt und ganz träge; das sammetartige Ansehen seiner Haut ist nicht dasselbe wie beim vorigen; drükt man ihn zwischen den Fingern, so ist ein rother Reflex wahrzunehmen; zwischen den Fingern verlängert er sich nicht, und drükt man ihn vom Kopf zum Schwanze zu, so sieht man bald, wie das Blut, mit welchem er vollgesogen, sich gegen das Ende hin anhäuft; drükt man ihn dann stark, so wird das Blut bisweilen in einem Strahl herausgedrükt. Dieses Blut ist roth und kann mit der grünlichschwarzen Flüssigkeit, welche der Sumpfblutegel manchmal von sich gibt, nicht verwechselt werden. Daß man den Blutegeln Blut gebe, damit sie die Reise besser vertragen, ist nicht stichhaltig; denn die vollgesogenen Blutegel machen die Reise nicht gut, man erleidet Verluste und die ungebrauchten Blutegel (s. vierges) vertragen die Reise besser.

Der hohe Preis der Blutegel und die Anwendung, welche in Spitälern von entleerten Blutegeln gemacht wurde, brachte mehrere Personen auf den Einfall, die schon gebrauchten Blutegel zu sammeln, um sie zu entleeren und dann wieder zu verkaufen. Wie die Entleerung der Blutegel vorgenommen wird, ist in vielen Werken zu finden. Ob aber die wiederholte Anwendung schon einmal gebrauchter Blutegel anzurathen und keine Gefahr davon zu befürchten sey, getrauen wir uns nicht zu beantworten, glauben aber, daß sie höchstens in Familien geschehen sollte, deren Mitglieder sich alle kennen; bei fremden Personen aber weiß man nicht, was daraus entstehen kann.

Nach unseren Versuchen ist es nicht möglich zu unterscheiden, ob ein Blutegel mit Blut gefüttert wurde, um in den Handel geliefert zu werden, oder ob man sich desselben zu Blutentziehungen bei einem Kranken bedient hatte. Dieser Umstand muß im Ankauf der Blutegel zum Wiederverkauf noch umsichtiger machen, indem man beim Gebrauch schon Blut enthaltender Blutegel nicht wissen kann, ob man nicht, statt zur Wiederherstellung des Kranken beizutragen, eine schwere contagiöse Krankheit herbeiführt.