Text-Bild-Ansicht Band 79

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zusammengesezt aus 1 Th. Auripigment, 6 Th. gebranntem Kalk, etwas Mehl und einem gelben Farbstoff. Da das Mehl bloß zugesezt ist, damit das Pulver mit dem Wasser leicht einen Brei gibt, und der Farbstoff, um die weniger angenehme graue Farbe in eine gelbe zu verwandeln, so sieht man leicht, daß das Depilatorium dieselben wirksamen Bestandtheile wie das Rhusma enthält, und daß es überhaupt nichts anderes als Rhusma ist. Wegen seines Arsenikgehalts verdient aber dieses Mittel nicht nur nicht empfohlen, sondern der Verkauf desselben streng verboten zu werden.

Die Thatsache, daß das eigentlich Wirksame im Rhusma eine Verbindung von Schwefelcalcium mit Schwefelarsenik ist, gab Veranlassung, die Wirkung anderer Schwefelsalze auf die Haare zu versuchen, um möglicherweise ein unschädliches Mittel zu finden. So wurde vor nicht langer Zeit von einem deutschen Chemiker54) entdekt, daß das sogenannte Calciumsulfhydrat (Verbindung von Schwefelcalcium mit Schwefelwasserstoff) die Eigenschaft besizt, in sehr kurzer Zeit die Haare zu einer weißen Gallerte aufzulösen. Um mich selbst hievon zu überzeugen, habe ich die Wirkung dieser Substanz an mir und Andern erprobt. Bringt man sie in Form eines dünnen Breies auf die Haut des Arms oder der Hand, so werden die Haare in 1 – 2 Minuten so aufgelöst, daß sie nach dem Abwaschen mit Wasser völlig verschwunden sind; die Haut bleibt weiß und glatt und man sieht und fühlt nicht die geringste Einwirkung darauf. Selbst wenn man die Masse so dik wie ein Brodmesserrüken auf den Arm streicht und über 10 Minuten darauf liegen läßt, bemerkt man keine Einwirkung auf die Haut. Dagegen wird die porösere Haut im Gesicht55) nicht unbedeutend angegriffen. Es sind etwa 5 Minuten erforderlich, um den steifen Bart so aufzulösen, daß man ihn leicht mit Hülfe eines hölzernen oder beinernen Messers oder eines gewöhnlichen Taschenmessers abnehmen kann. Man fühlt inzwischen, besonders das erstemal, ein starkes Brennen in der Haut, und an einzelnen Stellen wird diese so stark angegriffen, daß man Oehl einschmieren

54)

Nämlich von Hrn. Dr. R. Böttger, dessen Abhandlung über das neue Haarvertilgungsmittel und seine Bereitung für Gerber im Großen, auch im polytechnischen Journal Bd. LXXII. S. 455 mitgetheilt wurde. Hr. Thaulow bestätigt in der Hauptsache bloß die Angaben des genannten deutschen Chemikers, welche so sehr verdienen wieder in Erinnerung gebracht und möglichst verbreitet zu werden.

A. d. R.

55)

Die Poren der Haut oberhalb des Mundes sind nämlich, (wie Hr. Dr. Böttger in den Annalen der Chemie und Pharmacie a. a. O. bemerkt) weit geöffneter als die des Armes, was man auch leicht schon daraus erkennen kann, daß an diesen Stellen unmittelbar nach dem gewöhnlichen Barbieren mittelst eines Messers, der Schweiß tropfenweis hervortritt, sobald man sich nur im mindesten echauffirt.

A. d. R.