Text-Bild-Ansicht Band 89

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Leim angewandt werden können, wie dieß sonst mit den Abfällen der noch ungegerbten Häute geschieht.

LX.  Miszellen.

Verbesserte Transportirung schwer beladener Wagen auf Eisenbahnen.

Am 10. Junius d. I. wurde auf der Eisenbahn von Paris nach Orleans zum erstenmal ein sinnreicher Apparat des Hrn. Arnoux, Verwalters der Messagerien Laffitte und Caillard, in Anwendung gebracht, mittelst dessen Lastwagen sehr schnell auf die zum Weitertransport bestimmten Convois gebracht und ohne Zeitverlust abgeladen werden können, indem man den Wagenkasten von dem Untergestelle abhebt. Auf diese Weise kann ein schwer mit Gepäk und Reisenden beladener Wagen, der eben auf einer Eisenbahn transportirt wurde, die Reise auf der Landstraße sogleich fortsezen, ohne mehr Aufenthalt als bei gewöhnlichem Umspannen zu erleiden.

Die Diligencen, welche von entfernten Orten in Orleans anlangten, um auf der Eisenbahn nach Paris befördert zu werden, oder solche, die von Paris nach Orleans und von da nach entfernten Bestimmungsorten gehen, mußten nothwendigerweise entweder ihre Passagiere sammt Ladung abgeben, oder, gleich den gewöhnlichen Equipagen und Reisewagen, auf Plattformen (Trucks) gesezt werden. Dieser Einrichtung stand aber ein unübersteigliches Hinderniß entgegen, indem die außerordentliche Höhe der Diligencen die Passage durch Gewölbe und Durchfahrten, wenn auch nicht unmöglich, doch immer höchst gefährlich machte; dabei erregte die zu große Erhöhung des Schwerpunktes jederzeit Besorgnisse und der Widerstand der Luft belästigte die Maschinen ungemein.

Um allen diesen Unannehmlichkeiten abzuhelfen, faßte man den Gedanken, das Fuhrwerk auseinander zu nehmen, den Kasten der Diligence von dem Untergestell zu trennen und jenen mit voller Ladung auf einem zu diesem Zwek eigens construirten Truck zu placiren.

Dergestalt werden also jezt alle von den Messagerien ausgehenden Wagen, wie dieß bis heute der Fall war, nach dem Bahnhof von Orleans gebracht; daselbst hebt man mit einem passend angebrachten Wellbaum die Kasten sammt Federn ab und sezt sie auf die Trucks, von denen sie gerade so gut getragen werden als von dem Untergestelle, wofür sie ursprünglich construirt sind.

Bei der Ankunft in Orleans werden nach derselben Methode die Diligencen wieder auf ihre ganz in Bereitschaft stehenden Untergestelle gebracht und die Reisenden sezen ohne Aufenthalt, ohne die geringste Unordnung, ihre Reise fort. Diese Operation dauert nur wenige Minuten und erfordert nicht so viel Zeit als man nöthig hätte, sie mit einigen Details zu beschreiben.

Bei Rükkunft kehren die Wagen mit der nämlichen Einrichtung in den Mittelpunkt von Paris zurük, und die Reisenden gelangen, frei von Bemühungen und Derangement, an den Ort ihrer Bestimmung, indem sie ihre Pläze, ihre Gesellschaft und denselben Conducteur behalten, und von der Schnelligkeit der Eisenbahnbeförderung profitirt haben.

Wir behalten uns vor, demnächst die genaueren Details über diese verbesserte Transportirung schwer beladener Wagen mitzutheilen. (Archiv für Eisenbahnen, 1843, Nr. 8.)

Elektrischer Telegraph auf der Eisenbahn von Aachen zur belgischen Gränze.

Auf der Eisenbahn von Aachen zur belgischen Gränze, deren Vollendung man binnen sechs Wochen entgegensieht, befindet sich auch, zum erstenmal in Deutschland angewendet, ein elektrischer Telegrah, der zum Signalisiren zwischen dem Aachener Stationsplaz und dem Maschinenhause am Tunnel im Aachener