Text-Bild-Ansicht Band 91

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Farbstoff, welchen das Wasser ihm entzog und in Auflösung oder schwebend enthält, bei weitem nicht aller von der Beize der in das Bad gebrachten Zeuge angezogen werden; sehr viel bleibt im Bad zurük, wo er sich mit Substanzen in Verbindung befindet, die ihn mit hinlänglicher Kraft zurükhalten, um den Beizen nur mehr einen gewissen Antheil abzutreten, d. h. wenn die Zeuge mit nur so viel Beize getränkt sind, als mit ihrer Verwandtschaft zu derselben verträglich ist.“

„Es tragen demnach beim Färben mehrere Ursachen gemeinschaftlich zum Verlust einer großen Menge Farbstoffs bei, und man kann behaupten, daß mehr davon verloren geht als verwendet wird. Es ist deßhalb erforderlich, diesen Farbstoff des Krapps zu isoliren und alle Körper zu entfernen, welche ihn troz der Verwandtschaft der Beizen zurükhalten könnten. Diesen Zwek erreicht man mittelst in großer Menge angewandter concentrirter Schwefelsäure; dieses Verfahren aber erheischt zu viel Uebung und Umsicht, als daß es bei der Fabrication im Großen zur Grundlage dienen könnte, weil die kleinste Nachlässigkeit bei der Behandlung, die unbedeutendste Temperaturveränderung der Umgebung, zu große Verschiedenheiten in den Resultaten herbeiführen, als daß man auf dieses Verfahren bauen und sich auf dessen Erfolg verlassen könne. Es mußte daher nothwendig abgeändert werden; man suchte zuvörderst die heftigste Einwirkung der Säure durch Verminderung ihrer Quantität sowohl als ihres Concentrationsgrades zu mäßigen; endlich suchte man die ihr genommene Kraft jedesmal durch Zuhülfenahme einer mehr oder weniger anhaltenden und erhöhten Temperatur zu compensiren; fand aber bei allen Versuchen, daß der Farbstoff von einer eigenthümlichen Substanz umhüllt bleibt, welche seinen Erfolg beeinträchtigt und seine Verbindungen weniger innig werden läßt. Diese Substanz, von uns grüne Materie genannt, welche wir isolirt darstellten, stört einigermaßen die Wirkung der färbenden Molecüle und begleitet sie beständig in ihren Verbindungen mit den Beizen; gerade die Säure macht diese Substanz unlöslich und hält sie in dem Holzrükstand zurük. Jhre Ausscheidung, ehe man die Schwefelsäure auf den Krapp einwirken läßt, ist daher unerläßlich und zu dieser sehr wichtigen Verbesserung gelangte man, indem man der Anwendung der Säure ein einfaches Waschen des Krapps mit Wasser vorausgehen ließ, wodurch nicht bloß die grüne Materie, sondern auch der Zuker, der Schleim und alle andern löslichen Theile beseitigt werden; ein um so vortheilhafterer Erfolg, als es dadurch nicht nur möglich wird, weniger Schwefelsäure anzuwenden, sondern die Wirkung derselben auch bei weitem zuverlässiger wird.“