Text-Bild-Ansicht Band 91

Bild:
<< vorherige Seite

eine Zeichnung entsteht, welche zu wiederholtenmalen als Chablone zum Vorzeichnen dient, indem sie auf den Zeug gelegt, und ganz trokenes Farbepulver, welches mit Leimwasser angerieben war, mittelst eines weichen Wischers durch die Chablone gerieben wird. Das an dem Gewebe adhärirende Pulver bildet, wie sich von selbst versteht, einzelne Punkte jener durchlöcherten Contour der Musterzeichnung, allein diese laufen in einander über und werden förmliche Linien, wenn der Zeug durch einen Heißwasserapparat gezogen und das Pulver dadurch fixirt wird. Gerade Linien werden unmittelbar auf die Waare gezeichnet und zwar neben ein Lineal, welches mit dem einen Ende aufgelegt, mit dem andern Ende aber in die Höhe gehalten wird, oder gleichsam aus freier Hand mit einem Pinsel gezogen, welcher eine ziemlich dikflüssige Leimfarbe enthält. Es erfordert einige Fertigkeit oder vielmehr Uebung, dergleichen Linien gleichförmig zu zeichnen.

Zum Anfertigen der Chablonen wird eine Maschine benuzt, welche der von Hrn. Kohl beschriebenen Hülfsmaschine für den Vordruk baumwollener Stikereiwaaren, der sogenannten Stüpfelmaschine (man sehe die vorhergehende Abhandlung) ähnlich ist.

Die lezte Vorbereitung zum Malen ist das Tränken mit klarem Mohnöhl, welches auf beiden Seiten des Zeuges vermittelst einer Bürste geschieht. Es ist hiebei zu beobachten, daß wofern die Stärke das Durchdringen des Oehls verhindert, solche Stellen mehrmals bestrichen werden müssen, um dem Ganzen ein gleichmäßiges, transparentes Ansehen zu geben.

Sobald der mit Oehl getränkte Zeug troken geworden ist, wird das Malen bewerkstelligt, welches eine sehr einfache Operation ist. Man stellt den Rahmen auf die gegenüber einem Fenster aufgerichtete Staffelei und trägt zunächst die Localfarben auf, welche dann auf der Rükseite des Zeuges mit den verschiedenen Tönen ausgearbeitet werden. In Betreff der Farben bleibt zu erwähnen übrig, daß nur solche Farbstoffe angewendet werden können, welche durchschimmernde Farben geben, als z. B.: italienische Erde (gebrannte und ungebrannte), Florentinerlak, Carmin, Berlinerblau, Ultramarin Elfenbeinschwarz etc.; diese Farben werden theils mit Lein-, theils mit Mohnöhl angerieben. Gummigutti (Cambogium), welches sonst selten zu Oehlfarbeu verwendet wird, liefert hier eine ausnehmend schöne Goldfarbe; sie wird möglichst dikflüssig aufgetragen, um dem Fließen vorzubeugen, welchem diese Farbe unterworfen ist; außerdem ist es zwekmäßig bei jedesmaligem Gebrauch diese Farbe frisch anzumachen, da sie mit Wasser zum Aufbewahren überschüttet, eine theilweise Zersezung erleidet.