Text-Bild-Ansicht Band 108

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in leitende Verbindung sehen zu können. Neuerdings ist man jedoch im Begriff, eine Einrichtung der Art anzubringen, besonders wohl durch die Erfahrung vom 19. Juli d. J. (1847) dazu veranlaßt.

An diesem Tage nämlich entlud sich in der Nähe von Höchst und Frankfurt gegen Abend ein starkes Gewitter mit heftigen Regengüssen. Als es heranzog, befanden sich mehrere Beamte der Taunusbahn in dem Zimmer des Stationshauses zu Frankfurt, in welchem der Telegraph steht. Letzteren hatte man kurz zuvor auf die oben beschriebene Weise mittelst eines Kupferdrahtes der dünneren Sorte abgeschlossen, als der erste heftige Schlag sich entlud, und zwar Blitz und Donner gleichzeitig wahrgenommen wurden. In demselben Augenblick gewahrte ein Beamter, daß der Telegraph in Thätigkeit sey, und er hatte nicht Zeit, demselben sich zu nähern, um zu untersuchen ob die Ausschließung etwa nicht vollkommen vollbracht sey, als dicht am Telegraphen aus einer Winkelbiegung des Drahtes ein Arm dicker, 2 bis 3 Fuß langer, blauer Feuerstrahl mit einem, einem Pistolenschusse ähnlichen Knalle heraussprang. Dasselbe Phänomen wiederholte sich bei mehreren der folgenden Schläge. Der dünne Nebenschließungsdraht war an der Stelle, wo er an der Hauptleitung befestigt war, abgeschmolzen, und zwar zeigte sein Ende die vollendetste Schmelzung.

Auf der Station Hochheim selbst wurden aus dem Draht noch Funken, wie sie durch das Feuerschlagen mit Stahl und Stein erzeugt werden, bemerkt; in Castel dagegen zeigte sich nichts der Art.

Zwischen Frankfurt und Höchst in der Nähe des Rebstocker Hofes, wurden durch das Gewitter achtzehn der tannenen Stangen, worauf der Leitungsdraht ruht, mehr oder weniger zersplittert und zerrissen, und zwar fünf in solcher Weise, daß sie in Stücke zerfielen und ganz ausgewechselt werden mußten. Die ausgesplitterten Stellen laufen alle in einer Spirallinie mit einer mehrmaligen Windung um die Stangen. Auffallend ist es, daß außer an diesen achtzehn unmittelbar aufeinanderfolgenden Stangen sich nur noch eine einzelne, zwar besonders hohe, Stange in dem Bahnhof zu Frankfurt in gleicher Weise beschädigt zeigte. Fast alle Stangen der Telegraphenlinie fand man nach diesem Gewitter in der Richtung von Ost nach Süd in der Erde mehr oder weniger um ihre Achse gedreht, so daß die Kappen oder kleinen Blechdächelchen an ihrer Spitze, welche früher mit ihrer Kante sämmtlich parallel mit der Bahn standen, jetzt damit einen Winkel machen, der 15°, und namentlich in der Nähe der Stelle, wo die übrigen Stangen zerschmettert worden sind, mehr, bis zu 90°, beträgt.